Attila Hildmann verteidigt Hitler, greift Bundeskanzlerin und die Grünen auf seiner Kundgebung am 18. Juli 2020 an

Er fährt weiter durch Berlin und verbreitet vor einem, ihm solidarischen Publikum wirre Verschwörungsmythen und Gewaltphantasien: Attila Hildmann[1][2][3] war auch am diesem Wochenende mit einem Autokorso unterwegs der seinen Endpunkt am Berliner Lustgarten hatte. Dort sprach der Kochbuchautor, der gerne Reichskanzler wäre und eine, an Reichskriegsflagge erinnernde Fahne mit Wehrmachts-Slogan mit sich trägt, auf einer Abschlusskundgebung. Wirklich Neues hatte er nicht zu sagen. Dafür wurden wieder Journalist_innen bedrängt. Die Polizei musste wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung mehrmals eingreifen.

Etwas verspätet traf die von der Polizei begleitete Autokolonne mit Hildmann an der Spitze gegen 16.15 Uhr am Lustgarten ein. Hier warteten bereits etwa 60 Menschen auf ihren „Star“. Mit den Teilnehmenden des, aus 44 Fahrzeugen bestehenden Autokorsos, vergrößerte sich die Zuhörer_innenschaft auf etwa 150 Personen. Von seinen Sympathisant_innen bejubelt, begann Hildmann, nach einigen Technikproblemen, mit seiner Rede. Diese bot wenig Neues und stellte nur eine Wiederholung seiner Aussagen aus den letzten Kundgebungen und seinem Telegram-Kanal dar. Dass er sich gerne selbst als starken Mann präsentiert der das Bad in der Menge genießt, beweisen seine Aussagen zu einer möglichen Machtübernahme als Reichskanzler in Deutschland. Schon bei vergangenen Kundgebungen und regelmäßig in seinem Telegram-Kanal äußert er seine Vorstellungen Deutschlands unter seiner Führung, öffentliche Hinrichtungen inklusive. Auch diesmal nahm Hildmann kein Blatt vor dem Mund. So sprach er von einer „Pharma-Mafia“, unter Führung Bill Gates, und unterstützt von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die er das Recht absprach Deutschland regieren zu dürfen. Sein Antikommunismus und seine Sprache ähnelt dabei immer mehr denen der Reichsbürger, die die Bundesrepublik ablehnen und die Wiedereinrichtung des Deutschen Kaiserreichs fordern. Im gleichen Atemzug verharmloste er die Angriffskriege des Deutschen Reichs in beiden Weltkriegen als Verteidigung gegen den Bolschewismus. Die Vernichtung von Jüdinnen_Juden sowie Sinti_zze und Rom_nja erwähnte er dabei mit keinem Wort. Viel mehr verharmloste er Adolf Hitler als Segen für das deutsche Volk und verbreitete antisemitische Ressentiments über die angeblich von Rothschild und Rockefeller beherrschten Finanzwelt.

Diesmal sprach aber nicht nur Hildmann. Wie bereits in seinem Telegram-Kanal angekündigt wurde, öffnete er nach seiner, etwa einstündigen Rede das Mikrofon für andere Redner_innen.  Zu diesen gehörte u.a. der ehemalige Bundeswehrangehörige Ronny „Sid“. Der 40jährige ex-Soldat, der extra aus Nürnberg angereist war, ergänzte Hildmanns Verschwörungsmythen um eigene, die von Kriegsgeschichten aus Afghanistan bis zur CO2-Steuer reichten. Hildmann berief sich in der Vergangenheit schon des öfteren auf Sids Aussagen, die er in seinen Youtube-Videos aufgestellt hatte. So etwa, dass nur militärische ABC-Schutzmasken wirklich gegen ein Virus helfen würden und die handelsüblichen Mund-Nasen-Masken unwirksam seien.

Auf der Kundgebung wurden erneut unabhängige Pressevertreter_innen bedrängt und beleidigt, so dass sie an der Ausübung ihrer Arbeit massiv gehindert wurden. Unterdessen mussten rechte Medienmacher_innen, wie etwa Stefan Bauer, keine solcher Schikanen befürchten.

Am Rande gab es auch diesmal Gegenprotest. Immer wieder ging Hildmann auf die Rufe der Antifaschist_innen ein und bot an mit ihnen reden zu wollen. Gleichzeitig machte er sich aber über diese mit herabwürdigen, teils misogynen und sexistischen Äußerungen lustig. Stimmen, die sich trotzdem auf sein Angebot einließen wurden mit Schreien übertönt und verbal bedroht. Eine von Attila Hildmann geforderte Diskussion wurde so ad absurdum geführt.

Die Polizei musste trotz mehrmaliger Aufforderung die Auflagen, die das Tragen von Schutzmasken und Mindestabständen vorschrieb, einzuhalten einschreiten und nahm vereinzelte Teilnehmende vorübergehend in Gewahrsam. So zogen sich auch die Polizist_innen den Unmut Hildmanns und seiner Anhänger_innen zu.

Nach etwa drei Stunden beendete Hildmann unter Jubel die Kundgebung und kündigte für kommendes Wochenende wieder ein Autokorso mit anschließender Kundgebung an. Auch muss man mit der Verbreitung von Verschwörungsmythen, sowie Angriffen und Bedrohungen rechnen.

 

Einzelnachweise:

[1] Vgl. JFDA: Angriff auf Pressefreiheit bei Hildmann-Kundgebung am 27.06.2020, https://jfda.de/blog/2020/06/28/angriff-auf-pressefreiheit-bei-hildmann-kundgebung/.
[2] Vgl. JFDA: Wie wahnhaft ist der Verschwörungswahn? Zur Pathologisierung Attila Hildmanns in den sozialen Netzwerken, https://jfda.de/blog/2020/06/23/wie-wahnhaft-ist-der-verschwoerungswahn-zur-pathologisierung-attila-hildmanns-in-den-sozialen-netzwerken/.
[3] Vgl. JFDA: „Das Volk soll tanzen“ – eine kritisch-analytische Zusammenfassung der Coronademonstrationen am 16. und 23. Mai 2020, https://jfda.de/blog/2020/05/29/das-volk-soll-tanzen-eine-kritisch-analytische-zusammenfassung-der-coronademonstrationen-am-16-und-23-mai-2020/.

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