Nachruf für Prof. Dr. Gerhard Baader

Wir betrauern den Tod unseres Freundes und Gründungsmitglieds des JFDA, Prof. Dr. Gerhard Baader. Er war ein Mann mit einer reichen und bewegenden Lebensgeschichte, ein herausragender Wissenschaftler und Förderer.

Gerhard Baader wurde am 03. Juli 1928 in Wien als Sohn einer Jüdin und eines Christen geboren. Vor dem Hintergrund dieser im Nationalsozialismus stigmatisierten und geächteten „Mischehe“ mussten seine Eltern und er verbrecherische Verfolgungen erdulden. Von der Schule verwiesen, wurde Gerhard Baader im Alter von 14 Jahren zur Zwangsarbeit verpflichtet und 1944 in einem Arbeitslager inhaftiert. Nach der Befreiung durch die Rote Armee beendete er die Schule und trat 1948 ein Studium der klassischen Philologie, Germanistik, Linguistik und der Geschichtswissenschaften in Wien an und absolvierte dieses 1952 mit einer Promotion. Zwischenzeitlich war er der SPÖ beigetreten und engagierte sich in sozialdemokratischen Jugend- und Studentenorganisationen.

Nach seinem Umzug nach Berlin 1968 arbeitete er am Institut für Medizingeschichte an der Freien Universität, forschte als einer der ersten zur Medizin im Nationalsozialismus und setzte sich unter anderem mit der Mitbegründung des „Arbeitskreises für die Erforschung der Geschichte der NS-Euthanasie und Zwangssterilisation“ für die Aufdeckung und Aufarbeitung der Krankenmorde der Nationalsozialisten ein. 1979 habilitierte er in Berlin und wurde 4 Jahre später zum außerplanmäßig Professor an der FU ernannt. 1993 ging Gerhard Baader nach Israel, wo er 10 Jahre lang lebte und als „Visiting Professor“ an der Hebräischen Universität Jerusalem arbeitete.

Nach seiner Rückkehr nach Berlin war Gerhard Baader an der Synagoge Oranienburger Straße als Gabbai tätig. Er wurde stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Child Survivors Deutschland“, arbeite als Zeitzeuge und unterstützte die Gründung und den Aufbau des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus. Hier haben wir ihn als hoch engagierten, vielseitig interessierten, bodenständigen, freundlichen, aufgeschlossenen und immer hilfsbereiten Menschen erlebt.

Am 14. Juni 2020 verstarb Gerhard Baader in Berlin. Wir sind ihm für seinen unermüdlichen Einsatz für das JFDA von Herzen dankbar und werden ihn als teuren Freund und Förderer einer offenen und konstruktiven Zivilgesellschaft in Erinnerung behalten.

Baruch dayan ha’emet.

Levi Salomon

 

 

Bildquelle: Zeitzeugenbörse e.V. Berlin

Newsletter

Facebook