Am 8. Mai 1945, vor 75 Jahren, wurde die Welt vom deutschen Nationalsozialismus befreit

Der 8. Mai ist in diesem Jahr in Berlin erstmalig und vermutlich einmalig ein gesetzlicher Feiertag. An diesem Tag kapitulierte vor 75 Jahren die deutsche Wehrmacht, der nationalsozialistische Terror fand dadurch ein Ende. Die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano hatte bereits in der Vergangenheit gefordert, diesen Tag zu einem nationalen Feiertag zu erklären.

Wir begrüßen den Beschluss der Berliner Landesregierung, der bereits im Januar 2019 erfolgte, und wünschen uns, dass der Tag auch zukünftig und bundesweit als Feiertag erhalten bleibt. Am heutigen Datum gedenken wir alljährlich der Befreiung der Welt vom deutschen Nationalsozialismus und der Verhinderung einer Vernichtung des Judentums.

Der Nationalsozialismus kam aus Deutschland, es waren Deutsche, die die Shoa planten und durchführten, die in Konzentrations- und Vernichtungslagern politische Feinde, rassistisch Verfolgte, körperlich und/oder psychisch als „unwert“ diffamierte Menschen ermordeten. Wir gedenken aller Opfer des Nationalsozialismus.

Die AfD hatte den Vorschlag zur Einführung des Feiertags abgelehnt. Fraktionschef Alexander Gauland hat in dieser Woche gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärt, dass der 8. Mai 1945 „zu ambivalent“ sei, um als Feiertag bezeichnet werden zu können. Wir fragen uns, was an der Befreiung der Welt vom Nationalsozialismus ambivalent sein kann. Gauland sagt: „Aber es war auch ein Tag der absoluten Niederlage, ein Tag des Verlustes von großen Teilen Deutschlands und des Verlustes von Gestaltungsmöglichkeit“.

Richtig ist, dass der 8. Mai die Niederlage Deutschlands markiert und das nationalsozialistische Herrschaftsgebiet verloren ging. Darin Ambivalenzen zu erkennen, können wir nicht nachvollziehen. Was Gauland mit „Gestaltungsmöglichkeit“ meint, bleibt rätselhaft – wir stellen fest, dass das Ende der nationalsozialistischen „Neugestaltung“ der Welt keinen bedauernswerten „Verlust“ darstellt. Wenn Alexander Gauland weiterhin auf perfide Art und Weise den befreiten Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager „in Berlin vergewaltigte Frauen“ gegenüberstellt, die den Tag der Befreiung möglicherweise „ganz anders sehen“, macht uns das fassungslos.

Für uns ist und bleibt der 8. Mai eine Erinnerung und Mahnung an Adornos Diktum, Hitler habe der Menschheit einen neuen kategorischen Imperativ auferlegt, „ihr Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe“. Den Tag der Niederlage des Nationalsozialismus als historisch und/oder moralisch „ambivalent“ zu bezeichnen, weisen wir mit einem eindeutigen „nie wieder“ zurück.

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