Fortbildung für Kiezmütter, Kiezväter und Integrationslots*innen – Konflikte im Kontext von Kultur und Religion

Ein Vater fragt dich, ob sein Kind möglicherweise in Gefahr ist, wenn es in der Schule weiterhin eine Kreuzkette um den Halt trägt. Erst vor kurzem wurde bekannt, dass an dieser Schule ein Junge mit Kippa lange Zeit gemobbt wurde. Was rätst du dem besorgten Vater?

Dieser und andere fiktive Fälle sorgten am 17. Und 24. Juni bei Kiezmüttern, Kiezvätern und Integrationslots*innen des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf während einer Fortbildung des Projekts KeEzrach für teils leidenschaftliche Diskussionen. Circa 25 Teilnehmende verständigten sich in dem dreieinhalbstündigen Format zum Thema „Konflikte im Kontext von Kultur und Religion“ darüber, wie Kultur und Religion in ihre Arbeit einfließen.

Grundlage für die konkrete Konfliktanalyse bildete eine gemeinsame Reflexion darüber, was unter den beiden Begriffen jeweils zu verstehen ist und welche individuellen und gesellschaftlichen Funktionen sie erfüllen. Sowohl Kultur als auch Religion können integrierend und abgrenzend wirken und Orientierung geben, allerdings stellt Religion zusätzlich auch Deutungs- und Sinnangebote zur Verfügung und erfüllt eine psychologische Funktion z.B. der Angstbewältigung.

Anhand von Beispielen überlegten die Teilnehmenden im Anschluss, welche Hintergründe in dem jeweiligen Konflikt eine Rolle spielen könnten: Führten vielleicht persönliche Erfahrungen dazu, dass die jeweilige Person auf eine bestimmte Weise handelt? Hatten religiöse Gründe Einfluss auf den Konflikt? Oder ist die Irritation möglicherweise auch von situativen oder politischen Faktoren oder einer kulturellen Prägung abhängig? Dabei wurde deutlich, dass gerade Konflikte, die auf den ersten Blick religiös zu sein scheinen, auch viele andere Ursachen haben können.

Diese Reflexionen ermöglichten den Teilnehmenden, Sprach- und Handlungsmöglichkeiten für solche oder ähnliche Konfliktfälle zu diskutieren und sich darüber auszutauschen, welchen Rahmen hierfür die Grundwerte des Grundgesetzes bilden. Die Energie, mit der diskutiert wurde, zeigt, dass Reflexions- und Sprachfähigkeit in Konflikten wichtig sind, um ihre Komplexität einschätzen und angemessen reagieren zu können.

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