Grönemeyer – Mit Gefühlen gegen Rassismus? (Borgmanns Blick)

Herbert Grönemeyer:
Mit Gefühlen gegen Rassismus
Geht das?

Vor einigen Tagen in Kiel der Auftakt seiner Tournee: Begeisterter Jubel von 9000 Konzertbesuchern. Grönemeyer singt und macht Politik. „Keinen Millimeter nach rechts!“, und noch einmal: „Keinen Millimeter nach rechts!“ ruft er ins Publikum.
Ist das Politik? Ja, das ist Politik. Und obwohl dahinter kein ausgefeiltes Programm steckt, seine Fans verstehen genau, was er meint.
„Die Zeit schreit nach Haltung“, sagt Herbert Grönemeyer zwischen seinen Liedern. Es gelte, klare Kante zu zeigen. In seinen Liedern ruft er zum Widerstand gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Ausgrenzung auf und bekennt sich zugleich zu Empathie und Toleranz:
Wen erreicht er? Die im Westen, die Bürgerlichen? Also diejenigen, die ohnehin auf seiner Seite sind?
Kann sein.
Setzt er auf die Macht der Gefühle?
Mit Sicherheit.
Gefühle statt Aufklärung?
Nicht anstatt. Aber Gefühle gegen gefährliche Gefühle. Zwei Beispiele: Antisemitismus und Rassismus:
Was ist denn rational am Antisemitismus? Nichts. Es gibt keine jüdische Weltverschwörung. Punkt.
Was ist denn rational am Rassismus? Nichts. Es gibt keine menschlichen Rassen. Punkt.
Antisemitismus und Rassismus sind auch Gefühle, menschenverachtende Gefühle. Gespeist durch das Empfinden eigener Minderwertigkeit und Unsicherheit. Verstärkt durch barbarische Traditionen wie dem Judenhass im Christentum, genutzt und instrumentalisiert durch Profitstreben und das nicht nur zu Zeiten des Kolonialismus.
Gefühle die in Hass münden.
Können diese Konzerte Menschen bewegen, die sich von solchem Hass leiten lassen?
Ich glaube nicht.
Aber sie können etwas Anderes:
Sie können diejenigen, die diese Musik mögen, bestärken, sich gegen Ausgrenzung und Abwertung anderer Menschen zu wenden.
Solche Konzerte können Mut machen, Gemeinschaft stiften und Solidarität fördern.
Das ist doch schon was.
Und sie können eine menschliche Tugend wecken, die bei Vielen schon längst verschüttet scheint:
Mitgefühl.

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