Angriff auf israelische Journalistin (Borgmanns Blick)

Angriff auf israelische Journalistin
War das „normale“ Neuköllner Macho-Kultur
oder muslimisch geprägter Antisemitismus?

Offen gesagt: Ich weiß es nicht. Wahrscheinlich beides. Und an beides dürfen wir uns nicht gewöhnen. Wurde die israelische Journalistin nun verachtet und belästigt, weil sie eine Frau ist? Oder wurde sie angegriffen, weil sie bei ihrer TV-Aufnahme auf dem Bürgersteig einer Neuköllner Hauptstraße Hebräisch sprach?
Tatsache ist: Eine Gruppe männlicher Jugendlicher – offenbar mit Migrationshintergrund – kam an der Reporterin vorbei. Die Jugendlichen hielten die Hand vor die Kamera, behinderten die Dreharbeiten und warfen einen Feuerwerkskörper auf sie.
Immerhin: Die Journalistin hielt ein Mikrofon mit dem Namen ihres Fernsehsenders in hebräischer Schrift in der Hand – das spricht eher für die Antisemitismus-These. Ob aber die Jugendlichen dieses Detail überhaupt erkannt haben? Bisher weiß es niemand.
Die Polizei ermittelt jetzt wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung mit einem möglichen antisemitischen Hintergrund. Der Bundesaußenminister reagiert eilig: In einem Tweet verurteilt er die Übergriffe.
Antonia Yamin – so heißt die Reporterin – für Antonia Yamin sind die Motive der Täter weniger wichtig. Sie kritisiert, dass es in Berlin Gegenden gibt, in denen sich junge Leute so verhalten, als ob ihnen die Straße gehört. Sie meidet diese Orte. Sie sagt: „Weil ich weiß, dass es nicht besonders sicher ist, dort als Israeli oder als Jüdin erkannt zu werden.”
Das müsste eigentlich auch den Bundesinnenminister auf den Plan rufen. Oder den Berliner Innensenator. Oder den Neuköllner Bürgermeister. Aber da hat nichts getwittert. Keine offizielle Stellungnahme. Nichts. Und eilig schon gar nicht.
Das legt den Verdacht nahe, dass die für die innere Sicherheit zuständigen sich längst daran gewöhnt haben, dass in bestimmten Gegenden der Hauptstadt Machos eine Atmosphäre von Gewalt verbreiten. Gegenden, in denen nicht nur israelische Reporterinnen bedrängt werden.
Aber eben auch.

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