Warschau: Rechtsextreme und Regierung demonstrieren gemeinsam beim Unabhängigkeitsmarsch

Mehrere zehntausend Rechtsextreme, Hooligans und Nationalisten beteiligten sich am 11.11.18 am „Unabhängigkeitsmarsch“ in Warschau. Aus Deutschland nahmen u.a. Teile der Identitären Bewegung und der PEGIDA teil.

Zu der Veranstaltung hatten erstmals Vertreter der regierenden PiS, darunter der Staatspräsident Andrzej Duda, der den Marsch mit einer Rede eröffnete, sowie Neofaschisten gemeinsam aufgerufen. Laut Polizeiangaben marschierten insgesamt 250.000 Menschen durchs Zentrum Warschaus.

Im Vorfeld war der jährliche “Unabhängigkeitsmarsch” rechtsextremer Organisationen von der Warschauer Stadtpräsidentin Hanna Gronkiewicz-Waltz zunächst verboten worden. Dieses Verbot hob ein Gericht auf. Staatspräsident Duda und Ministerpräsident Mateusz Morawiecki einigten sich derweil mit Vertretern rechtsextremer Organisationen auf einen gemeinsamen Marsch.

Zahlreiche Hooligan-Gruppierungen und rechtsextreme Organisationen traten mit Fahnen und Transparenten geschlossen auf. Die Demonstration war während des ganzen Verlaufs in dichten, roten Nebel von Bengalo-Lichtern und Knallkörpern getaucht, deren Abbrennen verboten ist.

Besonders präsent waren die Flaggen der Mitorganisatioren der neofaschistischen ONR (Obóz Narodowo-Radykalny, dt. Nationalradikales Lager) und Fahnen, Transparente und Schals mit dem Keltenkreuz, welches die Überlegenheit einer “weißen Rasse” symbolisieren soll.

Auf mehreren ONR-Transparenten wurde der polnische Nationalist und Antisemit Roman Dmowski geehrt. Sichtbar waren außerdem Fahnen der im Parlament sitzenden rechtsextremen Ruch Narodowy (dt. Nationale Bewegung), der autonomen Nationalisten der Szturmowcy, der Młodzież Wszechpolska (dt. Allpolnische Jugend) sowie des Trzecia Droga (dt. der dritte Weg). Mutmaßliche Angehörige des Trzecia Droga trugen zudem ein großes Banner mit der Aufschrift “Defend Europe”. Mehrere Flaggen und Transparente zeigten das Symbol der NSZ (Narodowe Siły Zbrojne, dt. Nationale Streitkräfte), einer nationalistischen, antikommunistischen Untergrundorgansation im Zweiten Weltkrieg, die u.a. für gezielte Exekutionen von Jüdinnen und Juden während des und nach dem Krieg verantwortlich gemacht wird. Aus dem Ausland beteiligten sich u.a. slowakische Rechtsextreme der Kotleba-Partei, italienische Neofaschisten der Forza Nuova (FN) und Teile der ungarischen Jobbik-Partei am “Unabhängigkeitsmarsch”.

Aus Deutschland nahmen u.a. die PEGIDA-Organisatoren Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz am Aufmarsch teil. Außerdem beteiligten sich der Vorsitzende der Identitären Bewegung Deutschland, Daniel Fiß, und der Leiter der Berliner Identitären, Robert Timm, sowie Teile des neonazistischen “Hand in Hand”-Bündnisses.

An einer antifaschistischen Demonstration gegen den “Unabhängigkeitsmarsch” sollen bis zu 5000 Menschen teilgenommen haben.

 

 

Fotos von Roman Kutzowitz

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