Ist Böhmermann ein Antisemit? (Borgmanns Blick)

Ist Böhmermann
ein Antisemit?
Nein – der ist doch ein toller Kerl!
Aber er macht antisemitische Witze!
Na die macht doch jeder mal.

Sie auch? Na, geben Sie es zu. Sehen Sie. Und warum soll man an Böhmermann andere Maßstäbe richten? Wegen ein paar blöden Judenwitzen ist man schließlich noch lange kein Antisemit – meinen Sie?

Na ja, ich denke, es kommt darauf an, an wen sich die Witze richten und wo sie gemacht werden. Bei einer Fernsehshow nach einem Auftritt eines jüdischen Schriftstellers öffentlich nach einem Desinfektionsmittel zu rufen? Ich finde, das ist eine antisemitische Grenzüberschreitung. Und der betroffene Schriftsteller hat das offenbar auch so gesehen.

Aber Grenzüberschreitungen gehören ja nun mal zur Satire, werden Sie einwenden. Und ja, schließlich hat Böhmermann ja auch schon mal einen Ausflug in den Rassismus gemacht. Er hat einen Türken als Ziegenficker bezeichnet. Und da dieser Türke ein allseits verhasster Staatspräsident ist, hat auch kaum einer daran Anstoß genommen.

Sie sehen also: Antisemitismus oder Rassismus ist eine Frage der Anschauung – so scheint es jedenfalls. Ist derjenige, der sich so verhält sympathisch, ist es weder antisemitisch noch rassistisch. Erst recht dann nicht, wenn die Opfer solcher Äußerungen unsympathisch oder unbekannt sind.

Aber vielleicht hat sich Böhmermann entschuldigt, fragen Sie? Nun, beim Staatspräsidenten musste ihn erst ein Gericht dazu zwingen, diese Äußerung nicht mehr zu wiederholen. Und beim jüdischen Schriftsteller?

Böhmermanns Reaktion: Er könne ohne Umsatzbeteiligung leider nicht mitwirken – und jetzt wörtlich – an der „nachträglichen Umdeutung von ultrakrassen Ficki-Ficki-Comedykarrieren in schillernde, sensible Intellektuellenbiografien“.

Irgendwie eklig, finden Sie nicht auch?

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