Naziangriffe auf Polizei: Rechtsrock-Konzert abgebrochen

Ein Rechtsrock-Konzert in Apolda (Thüringen) wurde am Samstagabend, 06.10.18, abgebrochen, nachdem Neonazis massiv die Polizei angegriffen und acht Einsatzkräfte verletzt hatten.

Nachdem die dritte Auflage des Rechtsrock-Festivals “Rock gegen Überfremdung” im Ende August im thüringischen Mattstedt auf juristischem Weg verhindert worden war, sollte sie an diesem ersten Oktoberwochenende auf einem Feld in der Kleinstadt Magdala in Mittelthüringen nachgeholt werden. Dies wurde von den Behörden ebenso untersagt wie die anschließende Verlegung in einen Szenetreffpunkt in Kirchheim. Während in Magdala die Nutzung eines benötigten Feldweges nicht gestattet wurde, war die Anmeldung eines Konzertes für Kirchheim schlicht zu kurzfristig erfolgt.

Die Organisatoren um dem Anmelder Steffen Richter nutzten daher den Marktplatz in Apolda für ihr Konzert. Aus einem abgeschirmten, großen Festivals mit Verkaufsständen und der Möglichkeit zur ungestörten Vernetzung, zur ersten Auflage im thüringischen Themar waren 2017 6000 Rechtsextreme erschienen, wurde so schon am Freitagabend ein Konzert ohne Bühne, mit schwacher Soundanlage und unter den Augen der Öffentlichkeit.

Am Samstag fand zudem tagsüber ein Bürgerfest auf dem Marktplatz statt: Die Neonazis, die schon mittags anreisten, durften erst am Abend einen Teil der Fläche nutzen. Schon während sie am Rand des Platzes warteten, kam es zu etlichen Straftaten, darunter Verstöße gegen das Vermummungsverbot, Beleidigungen und die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Die Thüringer Polizei, die von Beamt*innen aus Baden-Württemberg unterstützt wurde, nahm zahlreiche Personen fest und erteilte ihnen augenscheinlich im Anschluss an die entsprechenden Maßnahmen Platzverweise.

Besucher*innen des Bürgerfestes protestierten deutlich und lautstark gegen das Neonazi-Konzert. Der Thüringer Innenminister Georg Maier lobte vor Ort den Zusammenhalt gegen Neonazis, der die Verhinderung der Konzerte in Mattstedt, Magdala und Kirchheim erst möglich gemacht habe. Es sei armselig, so Maier, wie Neonazis versuchen, die Zivilgesellschaft an “der Nase herumzuführen”, um letztlich ein Konzert bei Zimmerlautstärke auf einem verlassenen Marktplatz abzuhalten.

Aus Sicherheitsgründen, so die Pressestelle der Polizei, konnten sich Journalist*innen den hunderten wartenden Rechtsextremen über einige Stunden teils nur noch auf etwa 60 Meter nähern. Die Beobachtung des Großteils der Versammlung war so zeitweise erschwert. Erst nach mehreren Stunden wurde der Presse eine Annäherung unter Polizeibegleitung ermöglicht.

Auf die abgesperrte Konzertfläche durften die Rechtsextremen am Abend erst nach einer Kontrolle durch die Polizei. Etwa zwanzig Minuten nach Beginn des Konzertes versuchten viele der Wartenden die dazu positionierte Polizeikette zu durchbrechen, griffen Polizist*innen an und bewarfen sie mehrfach mit Glasflaschen. Letztere sollen auch vom Dach eines angrenzenden Einkaufscenters geworfen worden sein.

Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Acht Einsatzkräfte wurden laut Polizeiangaben verletzt. Auch nachdem das Konzert unterbrochen wurde, kam es immer wieder zu Rangeleien und Angriffen auf die Polizei.

In Abstimmung mit der Versammlungsbehörde entschied sich die Polizei daraufhin, das Konzert aufzulösen und kommunizierte dies über Twitter. Noch ehe sie eine entsprechende Ansage an die Versammlungsteilnehmer*innen richten konnten, beendete der Versammlungsleiter die Veranstaltung seinerseits mit den drohenden Worten: “eines Tages werden sie sich wünschen, wir würden nur Musik machen.”

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