Freude über die Deutsche Einheit? (Borgmanns Blick)

Freude über die Deutsche Einheit?
Sollen wir uns die von Rechtsextremisten, Antisemiten und Fremdenfeinden vermiesen lassen?
Nein. Natürlich nicht.

Ja, sollen wir den ganzen Mist etwa verharmlosen? Nein, das natürlich auch nicht.
Denn was sagt man zu Parolen wie „Wer Deutschland liebt – ist Antisemit“ aus Deutschland West oder „Ich bin stolz darauf, ein Nazi zu sein“ aus Deutschland Ost? Oder zu den selbsternannten Revolutionären aus Chemnitz, die zum Tag der Einheit vermutlich Anschläge planten, die Menschenleben gekostet hätten?

Das ist eine Deutsche Einheit, die vor 28 Jahren niemand vorausgesehen hätte. „Wir sitzen nicht auf den sprichwörtlich gepackten Koffern“, sagt der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Doch er ergänzt: „Wir schauen aber zum Teil nach, wo unsere Koffer stehen“.

Freude über die Deutsche Einheit? Bei den Rechtsextremisten gibt es sie ganz sicher, sie haben sie offenbar schon vollzogen. Aber warum soll man sich ausgerechnet von ihnen die Errungenschaften der letzten 28 Jahren vermiesen lassen? Oder von den Warnrufern von links, die blind für die Fakten das Land ständig am Rand des Abgrundes wähnen?

Deutschland einig Jammerland? Ist das die Bilanz der Einheit? Offenbar ja. Zumindest so lange, wie wir uns dem selbst nicht entgegenstellen. Also Sie und ich.

Wir sind schließlich die starke Mitte, wir sind das selbstbewusste Bürgertum, das sich Rechtsextremismus und Antisemitismus, von wem auch immer er ausgeht, mutig entgegenstellt. Also Sie und ich.

Dafür brauchen wir auch Politiker, die für ein liberales, weltoffenes und tolerantes Deutschland stehen und dennoch in der Lage sind, die dadurch entstehenden Probleme ohne jede Hysterie zu benennen und in den Griff zu bekommen. Und die die Idee des vereinten Europa selbstbewusst vertreten.

Wir lassen uns die Freude über die Deutsche Einheit nicht vermiesen – von niemandem.

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