“Stolz, Nazi zu sein!” – Rechtsextreme Kundgebung in Köthen

Rund 250 Rechtsextreme beteiligten sich am Samstag, 29.09.18, an einer Kundgebung in Köthen (Sachsen-Anhalt). Ursprünglich waren für die Versammlung Auftritte der Hooligan-Band “Kategorie C” und der polnischen Hatecore-Gruppe “LTW”, die dem in Deutschland verbotenen “Blood and Honour”-Netzwerk nahesteht, geplant. Diese Auftritte wurden im Vorfeld von der Versammlungsbehörde des Landkreis Anhalt-Bitterfeld untersagt. Die TeilnehmerInnenzahl blieb mutmaßlich auch deshalb weit hinter den Erwartungen zurück.

An der Versammlung beteiligten sich u.a. die langjährigen Neonazi-Funktionäre Dieter Riefling, Christian Worch, Thomas Wulff und der gerade erst zu einer Haftstrafe verurteilte Siggi Borchardt. Die OrdnerInnen der Kundgebung wurden vom “PEGIDA-Anwalt” Jens Lorek eingewiesen, der zuletzt auch bei der AfD-Kundgebung in Chemnitz in erster Reihe als Ordner tätig war.
Zu Beginn der Veranstaltung verlas der Versammlungsleiter Jens Wilke die Auflagen unverständlich in hohem Tempo, wobei er nur die darin enthaltenen Wörter “Nationalsozialismus” sowie einschlägige Abkürzungen und Zahlencodes betonte. Die Polizei ließ die Verlesung daraufhin wiederholen.

Der Leipziger Neonazi Alexander Kurth grüßte in seiner Rede “Vertreter der AfD” sowie anderer rechter Parteien, beschimpfte politische Gegner als “Linksmaden” und Tiere und drohten anwesenden PolitikerInnen sowie der Presse, sie müssten sich einst vor einem Gericht für ihr Tun verantworten. David Köckert, der von der Versammlungsbehörde aufgrund seiner einschlägigen Vorstrafen als stellvertretender Versammlungsleiter abgelehnt worden war, rief während seiner Rede, er sei stolz, “Nazi zu sein”.

Am Rande der Kundgebung bedrängten TeilnehmerInnen und OrdnerInnen der Versammlung wiederholt JournalistInnen. Ein Teilnehmer, gegen den bereits in der Vergangenheit wegen Falschbeschuldigung ermittelt wurde, erstattete willkürlich Anzeige gegen einen Journalisten. Nachdem er im Zug der Anzeigenaufnahme an dessen Namen gelangte, gab er diesen umgehend an die Veranstalter und andere Rechtsextreme weiter.

Ein weiterer Teilnehmer und Redner führte einen sogenannten “Selbstverteidigungs-Regenschirm” mit sich, den er zeitweise an einen Ordner übergab. Derartige Regenschirme werden in Waffenläden als Hieb- und stumpfe Stichwaffe beworben. Die Polizei kontrollierte den Schirm nach mehrmaligen Hinweisen durch Demonstrationsbeobachter, händigte ihn dem Teilnehmer im Anschluss aber wieder aus.
Ein Journalist, der diese Maßnahme fotografierte und ein Foto veröffentlichte, auf dem er den Teilnehmer unkenntlich machte, soll von diesem ebenfalls angezeigt worden sein. Erst nach einer zweiten Kontrolle des Regenschirms sei auch ein Verfahren gegen den bewaffneten Teilnehmer eingeleitet worden. Das Mitführen von Waffen bei Demonstrationen stellt eine Straftat dar. Der anwesende Pressesprecher der Polizei wollte gegenüber dem Jüdischen Forum am Samstagabend keine Angaben zum Vorgang machen.

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