Juden in der AfD? (Borgmanns Blick)

Juden in der AfD?

Gibt es die?

Ja, die gibt es.

Und sie werden jetzt sogar ein parteinahes Bündnis gründen.

Jetzt also eine Vereinigung von Juden in einer Partei, in der sich „Antisemiten pudelwohl fühlen können“. So spricht jedenfalls die frühere Vorsitzende des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, über die AfD. Und – so muss man hinzufügen – die AfD ist eine Partei, in deren Wählerschaft nach repräsentativen Umfragen Antisemitismus deutlich weiter verbreitet ist als in anderen Parteien. Juden in der AfD – ich mag es mir kaum vorstellen.Aber was bewegt ausgerechnet Juden AfD Mitglied zu werden? Darunter auch viele Russlanddeutsche? Ausgerechnet Mitglied in einer Partei mit einem völkisch nationalen Markenkern? Sie fordern eine neue Heimatliebe, so sagt es jedenfalls Dimitri Schulz, ein Gründungsmitglied der „Juden in der AfD“, in einer Wahlrede seiner Partei.  Er meint, dass die „positiven Aspekte der deutschen Geschichte bei Weitem alles Negative überwiegen“. Und er spricht sogar von „linksgrünem Schuldkult“.  Vor allem will er, so wird er zitiert, „muslimischen Judenhass“ thematisieren, ohne ihn zu verharmlosen. Ich denke, Juden sind keine Ausnahmeerscheinungen. Sie kommen wegen ihrer politischen Grundhaltung zur AfD – so wie andere nicht-jüdische Mitglieder auch. Also nicht trotz der Fremdenfeindlichkeit und der Verharmlosung des Holocaust durch einzelne Mitglieder, sondern wegen der Fremdenfeindlichkeit und wegen der Verharmlosung des Holocaust. Sie sind erwachsene Menschen und als Juden nicht gezwungen worden, in diese Partei einzutreten. Damit haben sie – wie alle anderen AfD-Mitglieder auch – Mitverantwortung für Geschichtsrelativierung, Islamfeindlichkeit und eben auch für Antisemitismus in ihrer eigenen Partei. Und sie haben als Juden eine besondere Mitverantwortung für eine zunehmende Legitimation dieser Partei bis weit in bürgerliche Kreise hinein. Keine schönen Aussichten.

 

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