Behörden informierten nicht über Angriff auf jüdisches Restaurant in Chemnitz

Am Montagabend, den 27. August, sollen rund ein Dutzend Vermummte das einzige jüdische Restaurant in der Chemnitzer Innenstadt mit Steinen und Eisenstangen attackiert haben, wie der Eigentümer berichtete. Dabei verletzten sie ihn mit einem Stein an der Schulter, beschädigten das Restaurant und riefen „Hau ab aus Deutschland, du Judensau“. Polizei und Staatsanwaltschaft machten den Vorfall bislang nicht öffentlich.
Im Vorfeld des Angriffs war es in der Stadt zu rechtsextremen Ausschreitungen gekommen, bei denen Journalisten, Polizisten und Migranten angegriffen wurden. Dabei wurde u. a. der Pressesprecher des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA) Levi Salomon von Rechtsextremen bedrängt und musste aufgrund von Sicherheitsbedenken die Berichterstattung abbrechen.

Das JFDA, welches seit Beginn der rechtsextremen Ausschreitungen die Situation vor Ort beobachtet und über sie berichtet, wurde am 5. September durch einen Artikel in der Freien Presse Chemnitz aufmerksam und nahm Kontakt mit dem Betroffenen auf. Es liegen dem JFDA Fotos vor, die Schäden am Schaufenster belegen, eine schwarz gekleidete Personengruppe vor dem Restaurant sowie Steine und ein Eisenrohr, mit denen das Restaurant attackiert wurde, zeigen.

Am 6. September bestätigte die Polizeidirektion Chemnitz gegenüber dem JFDA die Anzeige und verwies darauf, dass der Sachverhalt durch das LKA Sachsen bearbeitet werde. Ein Sprecher des LKA Sachsen bestätigte am selben Tag ebenso die Anzeige und versicherte auf Nachfrage “es wurde Nichts verschwiegen!”. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu einzelnen Fällen, “da diese in Bearbeitung sind und damit allenfalls durch die zuständige Generalstaatsanwaltschaft inhaltlich kommuniziert werden.”
Auf eine Anfrage, warum der Vorfall nicht in den Medieninformationen der Polizei veröffentlicht wurde, sagte der Pressesprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden gegenüber dem JFDA, dass sich dies seiner Kenntnis entziehe.
Eine Erklärung, warum weder Polizeidirektion Chemnitz, LKA Sachsen oder Generalstaatsanwaltschaft Dresden den antisemitischen Angriff veröffentlichte, blieb aus.

Levi Salomon, Sprecher und Koordinator des JFDA sagte dazu: “Es ist ungeheuerlich, dass in Chemnitz ein vermummter Mob das einzige jüdische Restaurant attackiert, antisemitische Parolen ruft und die Öffentlichkeit erst Tage später von dem Fall erfährt. Dieser gewaltige Fall von Antisemitismus hätte zeitnah von den Behörden öffentlich gemacht werden müssen.”

(8.9.2018) Foto: Roman Grussu

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