Hass in Chemnitz? (Borgmanns Blick)

Hass in Chemnitz

Soll man da noch reden?

Ja, was denn sonst?

 

Na, vielleicht erst mal nachdenken. Reden mit Polizisten, die die Gesetze nicht kennen, nach denen sie handeln sollen? Ja. Reden mit Schülern, die keine ausreichende Bildung haben? Ja! Aber Reden mit all diesen hasserfüllten Bürgern, die sagen, dass sie das Volk sind? Schwierig.

Aber vielleicht sollte man sie erst mal ernst nehmen, ihre politische Botschaft verstehen. Und die lautet – auch wenn viele es nicht offen sagen: Deutschland den Deutschen.

Noch einmal für alle, die es bisher nicht verstanden haben. Chemnitz ist ein Symbol für die zunehmende Akzeptanz eines aggressiven Nationalismus in Deutschland. Wer von diesen Demonstranten sagt: „Merkel muss weg”, meint auch: die europäische Integration muss weg. Wer von diesen Demonstranten sagt: „Wir sind das Volk”, meint auch: die anderen sind es nicht.

Der Nationalismus dieser Demonstranten ist ein politisches Bekenntnis. Sie sind kein „Fall“ für Sozialpsychologen oder selbsternannte „Ossiversteher”. Der in Chemnitz offen gezeigte Nationalismus hatte eine hässliche Fratze. Doch Nationalismus muss nicht so aussehen. Es gibt ihn auch in freundlicherer Form – aber mit derselben aggressiven Botschaft. Schritt für Schritt ist er in ganz Deutschland auf dem Vormarsch.

Soll man da reden? Schwierig.

Vielleicht erst einmal daran erinnern, was im Grundgesetz steht: Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.”

Und nicht: „Die Würde des Deutschen ist unantastbar”.

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