Berlin – Hauptstadt der Judenhasser? (Borgmanns Blick)

Berlin – Hauptstadt der Judenhasser?
Ist das wahr?
Naja, das sagt die Statistik.
Also in Wirklichkeit falscher Alarm?

Nein, kein falscher Alarm. Schließlich ist jede einzelne antisemitische Straftat schlimm genug. #

Aber es lohnt sich schon, genauer hinzuschauen. Nach einer kleinen Anfrage der Linken an die Bundesregierung gab es im ersten Halbjahr in Berlin 80 antisemitische Straftaten. Das sind mehr als doppelt so viel wie in Bayern. Und viermal so viele wie in Hamburg.

Sie werden sich fragen: Kann man diese Zahlen denn überhaupt miteinander vergleichen?

Na, hier setzen die Zweifel an der Statistik an. Zum einen wurde die Berliner Polizei in vergangenen Jahren für das Thema Antisemitismus besonders sensibilisiert.
Die Schwelle, eine Straftat als judenfeindlich einzuordnen, liegt deshalb in Berlin möglicherweise niedriger als in anderen Bundesländern.

Zum anderen gibt es in der Hauptstadt die größte jüdische Gemeinde Deutschlands. Das kann möglicherweise auch ein Faktor sein, weshalb hier mehr antisemitische Straftaten gemeldet werden.

Außerdem gibt es in Berlin eine Vielzahl antisemitischer politischer Akteure, die antisemitischen Straftaten ein ideologisches Umfeld bieten.

Und es gibt Organisationen der Zivilgesellschaft, denen Betroffene besonderes Vertrauen entgegenbringen und die das Anzeigeverhalten fördern.

Unabhängig von der Verteilung der Straftaten auf die Bundesländer bleibt festzuhalten:

Insgesamt stellte die Polizei allein im ersten Halbjahr 401 antisemitische Straftaten fest, darunter 12 Gewaltdelikte.

Und das ist nur das Hellfeld. Nach Einschätzung von Experten ist das Dunkelfeld erheblich größer.

Also, es ist kein Alarmismus: Es sind viel zu viele antisemitische Straftaten, um Entwarnung zu geben.

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