Wehrhahn – Im Zweifel für den Fremdenfeind? (Borgmanns Blick)

Im Zweifel für den Fremdenfeind?

Ja. Auch wenn es weh tut.

Und wo bleibt der Aufstand der Anständigen?

Der ist doch längst vorbei.

 

Ja, und der ist schon lange vorbei. Mehr als 18 Jahre ist es her, als Kanzler Schröder zum Aufstand der Anständigen aufrief. Anlass war ein Brandanschlag auf eine Synagoge in Düsseldorf. Erinnern Sie sich noch an die Lichterketten, an die Demonstrationen?

Wenige Monate zuvor gab es einen Sprengstoffanschlag auf eine Gruppe überwiegend jüdischer Einwanderer. Ein Blutbad, zehn Menschen wurden verletzt, ein ungeborenes Baby wurde getötet.

Doch selbst heute, 18 Jahre danach, konnte kein Täter für diesen Anschlag überführt werden. Im Zweifel für den Angeklagten mit offensichtlich fremdenfeindlicher Gesinnung, so sprach das Gericht. Bestürzend ist dieser Freispruch, sagt Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland. Er fordert intensive weitere Ermittlungen. Das ist gut und richtig.

Und die Öffentlichkeit? Die schweigt zwar nicht, aber sie ist kaum zu hören. Wo sind sie geblieben, all die hoch motivierten Anständigen? Diejenigen, die sich wehren, diejenigen, die Fremdenfeindlichkeit und Judenhass machtvoll bekämpfen wollen – wie einst?

Sie werden – wenn es sie heute überhaupt noch gibt – als sogenannte Gutmenschen denunziert. Sie werden als naive Moralisten abgeschrieben. Vor allem von der wachsenden Zahl von Zynikern, die Moral als politische Kategorie nur noch anerkennen, wenn sie für die eigenen Interessen nützlich erscheint.

Diese Menschen wollen die Probleme der Welt am liebsten abschieben – möglichst schnell und möglichst weit weg.

Auch wenn Sie es vielleicht noch nicht bemerkt haben: Der Aufstand der Unanständigen ist in vollem Gange. Sie sitzen schon in den Parlamenten und sie nehmen bereits jetzt massiv Einfluss auf die Regierungspolitik.

Was tun? Keine Ahnung. Aber Nichtstun ist auch keine Alternative.

Newsletter

Facebook