Polizei schlägt jüdischem Professor mehrfach ins Gesicht (Borgmanns Blick)

Polizei schlägt jüdischem Professor mehrfach ins Gesicht

Wie bitte?

Das war doch nur ein Missverständnis.

Ach so.

Manchmal überholt die Wirklichkeit jeden Horrorfilm: da kommt ein Professor aus den USA nach Deutschland, um hier einen Vortrag über Philosophie zu halten. Bei einem Spaziergang wird er von einem Deutschen palästinensischer Herkunft antisemitisch beschimpft und es wird ihm mehrfach die Kippa vom Kopf geschlagen.

Na das ist ja zurzeit nichts Besonderes, werden Sie denken und damit haben Sie – leider – Recht.

Doch die Geschichte geht noch weiter: Es dauert fast 20 Minuten, bis die sogleich gerufene Polizei eintrifft – so erinnert sich der geschlagene Professor. Erst als er den inzwischen fast außer Sichtweite geratenen Täter selbst verfolgt, trifft sie ein – und stürzt sich – jetzt raten Sie mal auf wen – auf den Professor. Vier oder fünf Polizisten fixieren ihn mit Gewalt, einer schlägt ihm – dem Opfer einer Straftat – mehrfach ins Gesicht.

Kann alles nur ein Missverständnis sein, werden Sie sagen. Und die Polizei der Stadt Bonn – die sagt es auch: ein Missverständnis, man entschuldigt sich, man habe Täter und Opfer verwechselt.

Soviel Brutalität gegenüber einem am Boden liegenden, der sich nicht bewegen kann – ein Missverständnis?

Und warum wollte man den Professor aus den USA anschließend auf der Polizeistation in einem mehr als einstündigen Gespräch überreden, sich nicht über das Verhalten der Polizei zu beschweren?

Und im Gespräch insinuieren, man würde ihn beschuldigen Widerstand geleistet zu haben, falls er die Presse informiert? So erinnert sich der Professor.

Und warum wurde dieser im Gesicht blutende Mann während dieses Gespräches nicht medizinisch versorgt?

Und jetzt? Jetzt haben sich alle bei ihm entschuldigt: die Polizeipräsidentin, der Innenminister. Der antisemitische Täter wurde gefasst, der Polizist, der ihn geschlagen hatte wurde versetzt und alle Hintergründe werden von einer unabhängigen Polizeieinheit aus einer anderen Stadt untersucht.

Doch der Professor aus dem fernen Baltimore scheint dem Frieden nicht zu trauen. In einem Brief schreibt der inzwischen in seine Heimat zurückgekehrte: „Der einzige Grund, warum die Präsidentin der Bonner Polizei bei mir um ‚Entschuldigung‘ gebeten hat, ist, dass ich Professor an der Johns Hopkins Universität bin.
Wenn ich ein Außenseiter der deutschen Gesellschaft wäre, würde sich niemand darum kümmern.“

Ob ein jetzt eilig vorgezogener „Tag der Kippa“ der Stadt Bonn ihn tröstet – ich weiß es nicht.

 

 

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