Rasanter Anstieg von Antisemitismus und Judenhass im Netz und in der Gesellschaft

Langzeitstudie „Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses“ erschienen

Unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Monika Schwarz-Friesel veröffentlichte die Technische Universität Berlin am 18. Juli 2018 eine Langzeitstudie, die sich mit der Artikulation, Tradierung, Verbreitung und Manifestation von Judenhass im Web 2.0 befasst. Hierzu wurden 60.555 Kommentare in 19 Korpora im Zeitraum 2007 bis 2018 erfasst und in Stichproben insgesamt 21.590 Kommentare im Detail analysiert.
Die Studie zeigt, daß sich die Judenfeindschaft als kulturelle Konstante und kollektiver Gefühlswert im digitalen Zeitalter im rasanten und alarmierenden Anstieg befindet und sich über kurz oder lang auch im Alltag niederschlagen kann, da Netz und Leben heute untrennbar miteinander verbunden sind. Jeden Tag werden Tausende neue Antisemitismen gepostet und ergänzen die seit Jahren im Netz gespeicherten und einsehbaren judenfeindlichen Texte, Bilder und Videos. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie sind u. a.: die Vergrößerung der Sag- und Sichtbarkeit für Antisemitismen, die epochenübergreifende Reproduktion judeophober Stereoptype und Verschwörungsphantasien und der auf Israel projizierte Judenhass, der auf weitverbreitete Akzeptanz in der Gesellschaft stößt.
Es gibt zudem kaum noch einen Diskursbereich im Web 2.0, in dem Nutzer nicht Gefahr laufen, auf antisemitische Texte zu stoßen, auch wenn sie nicht aktiv danach suchen. Judenfeindliche Inhalte werden immer mehr zur akzeptierten Normalität.
Der Anstieg geht einher mit einer qualitativen Radikalisierung und Intensivierung der Antisemitismen. Seit 2009 haben sich u.a. NS-Vergleiche, Gewaltphantasien und drastische, dämonisierende und dehumanisierende Äußerungen verdoppelt. Judenhass zeigt sich als gesamtgesellschaftliches Phänomen und omnipräsenter Teil der Netzkultur, während sich gleichzeitig massive Abwehr- und Relativierungsstrategien als integraler Bestandteil des antisemitischen Diskurses verfestigen. Mit einem Mittelwert von 70,3 % ist Hass hierbei die am häufigsten kodierte Emotion.

Weiter Ergebnisse und eine detaillierte Darstellung der Analysen ist unter http://www.linguistik.tu-berlin.de/menue/antisemitismus_2_0/ zu finden.

Newsletter

Facebook