Zum Alltagsrassismus in Deutschland (Borgmanns Blick)

„Halt Deine schwarze Klappe!“

Wie bitte?

Ja, Sie haben richtig gehört

„Halt Deine schwarze Klappe!“

Aber das ist doch rassistisch

Reinhard Borgmann kommentiert den Alltagsrassismus in Deutschland:

Ja, das ist rassistisch. Wenn ein Mensch dunkler Hautfarbe so etwas hört, fühlt er sich herabgesetzt und angegriffen. Und wenn eine Frau afrikanischer Herkunft das mehrfach wiederholt von ihrer Kollegin am Arbeitsplatz hört, dann ist das entwürdigend. „Halt Deine schwarze Klappe!“ Doch die auf diese Weise angegriffene Pflegehelferin will sich nicht den Mund verbieten lassen, erst recht nicht in Gegenwart ihrer Patienten.

Naja das bisschen Rassismus ist ja nicht so schlimm, werden Sie sagen. Und was hat das mit Juden zu tun? Und überhaupt, Antisemitismus ist ja viel schlimmer. Nun das tröstet die engagierte Pflegehelferin nicht, die bebend vor Wut und heulend um 23 Uhr nach ihrer Spätschicht nach Hause kommt.

Alltagsrassismus, das hört sich so akademisch, schon fast verharmlosend an. Am Ende nicht nach seiner Menschlichkeit, nach beruflicher Qualifikation, sondern nach Hautfarbe be- und verurteilt zu werden, das verletzt tief. Es stellt das Gefühl von Heimat, Sicherheit und Geborgenheit infrage – Begriffe, mit denen Rassisten selbst so gerne in den Wahlkampf ziehen. Sie definieren, wer dazugehört und vor Allem: wer nicht.

Eine „Deutsche Volksgemeinschaft“ verträgt angeblich keine schwarzen Fußballspieler, heißt es aus diesen Kreisen, selbst wenn sie Boateng heißen. Und eine jüngste Umfrage scheint zu bestätigen: die Deutschen vertragen auch keine Muslime – und keine Juden.

Was hilft? Selbstbewusst auftreten, nicht die Klappe halten. Juden können immerhin entscheiden, ob sie sich mit Kippa zu erkennen geben oder nicht. Menschen afrikanischer Herkunft haben es da schwerer – sie können nie aus ihrer Haut.

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