Gehören Sie auch zu den 40 Prozent? (Borgmanns Blick)

„Bei der Politik, die Israel macht, kann ich gut verstehen, dass man etwas gegen Juden hat.“

Das meinen 40 Prozent der Deutschen in einer Umfrage.

Gehören Sie auch zu diesen 40 Prozent?

Reinhard Borgmann kommentiert eine Umfrage zu israelbezogenem Antisemitismus

Nein, Sie natürlich nicht. Sie können ja feinsinnig unterscheiden zwischen Ihrer eigenen Kritik an der Politik der israelischen Regierung und den Vorurteilen gegen Juden. Aber wenn Sie mit anderen reden; Menschen, die in ihrer Haltung vielleicht nicht so gefestigt sind, werden Sie immer wieder auf eine harte Probe gestellt.

Und jetzt erst recht. Es ist schwer, gegen die Macht der Bilder der getöteten Palästinenser im Gaza-Streifen Argumente zu finden. Es ist kompliziert, immer wieder auf die perfide Strategie der Hamas hinzuweisen, die schamlos Zivilisten als Kanonenfutter missbraucht.

Und es ist schwierig, die tödlichen Schüsse der Scharfschützen als notwendige Selbstverteidigung zu rechtfertigen – wenn Sie selbst dabei zunehmend Bauchschmerzen haben. Eine harte Probe.

Und Sie selbst haben ja auch wirklich nichts gegen Juden – im Gegenteil: Sie kennen auch einige und die finden sie prima. Aber Ministerpräsident Netanjahu? Und die radikalen Siedler? Wie soll man deren Politik anderen erklären ohne die Judenfeindlichkeit der 40 Prozent zu fördern?

Nun jammern Sie nicht. Bleiben Sie feinsinnig, bleiben Sie sachlich, bleiben Sie kritisch gegenüber der israelischen Politik und gegenüber israelischen Politikern. Die haben als Menschen für ihre Entscheidungen Kritik verdient – aber nicht als Juden.

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