Wird hier der Antisemitismus à-la-carte serviert?

Wird hier der Antisemitismus à-la-carte serviert?

Am Freitag, den 04. Mai 2018 wurde bei strahlendem Sonnenschein auf dem Gendarmenmarkt der Israeltag 2018 feierlich eröffnet. Im direkten räumlichen und zeitlichen Umfeld des Festes ereignete sich jedoch ein Vorfall, laut dem einer jüdischen Familie in einem Restaurant in Mitte demonstrativ die Bedienung verweigert wurde.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bezeichnete in seiner Rede zum Auftakt der Veranstaltung die antisemitischen Attacken der vergangenen Wochen als „Alarmsignal“ für die Gesellschaft. „Jeder Angriff ist unerträglich“, so Müller. Der israelische Botschafter Jeremy Issacharoff betonte in seiner Rede, trotz der verstörenden Angriffe erlebe er in Berlin eine Welle der Sympathie und Solidarität. Diese zeigte sich auch in der Folge der Veranstaltung auf dem Gendarmenmarkt, wo die Menschen zu heiterer Musik gemeinsam tanzten, lachten und begegneten.
So konnte man für einen kurzen Moment vergessen, dass die Veranstaltung durch ein großes und sichtbares Aufgebot der Berliner Polizei vor Störungen gesichert werden musste. Dass diese Präsenz nicht nur ein symbolischer Akt war, verdeutlichte ein Vorfall, der sich in unmittelbarer Umgebung gegenüber Besuchern des Festes ereignete.

Wie uns die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus – RIAS berichtete, wurde einer jüdischen Familie in einem Restaurant in Mitte demonstrativ die Bedienung verweigert:
Die Familie war als jüdisch erkennbar, da der Vater Kippa und die Mutter religiösen Schmuck trug. Der siebenjährige schwerbehinderte Sohn hatte zudem einen Luftballon mit der Aufschrift „I like Israel“ bei sich. Die Familie wurde vom Personal nicht bedient, sondern ihnen wurde mit der Auskunft, sie säßen am ‚falschen Tisch‘, ablehnend begegnet. Nachdem weitere Personen umgehend bedient wurden und die Familie diesen Umstand zur Sprache brachte, wurde ihnen signalisiert, das Restaurant umgehend zu verlassen. Als der Vater einen Angestellten daraufhin konfrontierte, dass Juden in diesem Lokal wohl nicht bedient würden, erntete er als Reaktion nur ein spöttisches Lächeln.

In einem Telefonat äußerte sich das betroffene Restaurant wie folgt zu den Vorwürfen der unterlassenen Serviceleistung gegenüber der jüdischen Familie:

Für die Ansprechpartnerin unserer telefonischen Anfrage klang der Vorfall – laut eigener Aussage – „ziemlich komisch“, da das Restaurant von Gästen aus aller Welt besucht wurde. Daher ging unsere Ansprechpartnerin bei dem geschilderten Vorfall von einem „Missverständnis“ aus. Im Telefonat wurde wenig Interesse signalisiert, sich die genaueren Vorkommnisse schildern zu lassen, vielmehr wurde das sog. „Missverständnis“ mit einer sprachlichen Barriere des vorwiegend italienisch-sprachigen Servicepersonals begründet.
Die Aussage des „falschen Tisches“ gegenüber den Betroffenen wurde als technische Angelegenheit zwischen Servicepersonal und Verantwortlichen dargelegt, ohne nähere Hintergründe zu erläutern.

Unsere Ansprechpartnerin zeigte sich persönlich „traurig“ über den Vorfall, räumte ein, dass Sie von diesem keine Kenntnis erhalten hatte, um ihn sodann erneut umgehend als sprachliches „Missverständnis“ ohne weitere Absichten zu relativieren. Es gebe halt viel Personal im Restaurant und man könne nicht Verantwortung für alle einzelnen Handlungen übernehmen. Zumindest sei sich das Personal bewusst, dass sich das Restaurant in einer offenen Stadt befinde und – laut Selbstdarstellung – offen für alle Gäste sei.
Gespräche mit dem Servicepersonal wurden bisher nicht geführt und es ergab den Eindruck, dass dies auch nicht beabsichtigt sei. Das Bedauern der Ansprechpartnerin wirkte reserviert, da sie sich stetig auf ein angebliches „Missverständnis“ berief und offenbar keine Aufklärung des geschilderten Vorfalls veranlassen wollte.

„Es macht uns fassungslos, dass nur wenige Gehminuten von einem fröhlichen Fest, in dem wichtige Repräsentanten aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft ein deutliches Zeichen im Engagement gegen jegliche Form des Antisemitismus in unserer Gesellschaft gesetzt haben, eine jüdische Familie diese persönliche Herabwürdigung über sich ergehen lassen musste“ so JFDA-Sprecher Levi Salomon. „Wir fragen uns daher, ob man mittlerweile in Berlin den Antisemitismus sprichwörtlich à-la-carte serviert bekommt?“

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