Exklusive Solidarität und antisemitische Motive

Nach seinem blamablen Abgang von einer Protestaktion der IG Metall gegen den Stellenabbau im Opelwerk von Eisenach Ende April trat Björn Höcke wenige Tage später erneut in der Thüringer Industriestadt auf. Am 1. Mai versammelte sich die AfD dort zur Demonstration „Sozial ohne Rot zu werden“. Dieses Mal stellte die Partei die von Stellenabbau bedrohten „Opelaner“ ins Zentrum der Agitation. Als Hauptredner wetterte Höcke gegen die „Altgewerkschaften“ des DGB und rief zu einer exklusiven Solidarität der deutschen Beschäftigten auf. Auch mit Anspielungen aus dem Repertoire antisemitischer Diskurse sparte der Landesvorsitzende der AfD Thüringen nicht. Auf einschlägige Andeutungen über „diejenigen, die von solchen Krisen profitieren, die am wenigsten in der Lage sind, wahre Werte zu schaffen“ folgte die Beschreibung des Automobilkonzerns als das „ausgesaugte Traditionsunternehmen“. Zum Schluss beschrieb Björn Höcke die „Deutschland AG“ als angegriffene „gesamtwirtschaftliche Verantwortungsgemeinschaft“, die „besonders den New Yorker Investmentbankern […] ein Dorn im Auge“ gewesen sei. Zum Abschluss bediente der Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag das entmenschlichende Bild von den „Heuschrecken“ mit „kurzfristigen Gewinnabsichten“.

In der Tradition des völkischen Antikapitalismus stellte Höcke das „schaffende Kapital“ deutscher Industriekapitäne gegen das „raffende Kapital“ der amerikanischen Ostküste. Zum Einsatz kommen Chiffren, die in antisemitischen Kreisen als Ersatzformulierungen gebräuchlich sind. Höckes Rede wirft die Frage auf, wie antisemitisch der „solidarische Patriotismus“ ist, den er mit einigem Erfolg in der rechtspopulistischen Partei propagiert.

 

Photo: Symbolbild. Björn Höcke bei einer AfD-Kundgebung am 09.09.2017 in Potsdam

Newsletter

Facebook