„Konkurrenten – Zum Islambild der Neuen Rechten” – Vortrag von Matheus Hagedorny

Dass die Neue Rechte islamfeindlich sei, gilt als feststehende Tatsache. Dabei spricht vieles für das Gegenteil. Die „Identitäre Bewegung“ formuliert eine ausführliche „Kritik der Islamkritik“, während der neurechte Vordenker Karlheinz Weißmann den Islam in der Jungen Freiheit als „Hochreligion“ vor „Religionshaß“ in Schutz nimmt und vor einem verhängnisvollen Bündnis mit liberalen Religionskritikern warnt. Das Urgestein der französischen Nouvelle Droite, Alain de Benoist, plädiert gar für einen „gemäßigten Multikulturalismus“ und hält fest: „Die Eröffnung einer Fast-Food-Filiale oder eines Supermarktes stellt für unsere Identität sicher eine größere Bedrohung dar als der Bau einer Moschee.“

Diese Beschwichtigungen mögen angesichts der wachsenden Bedeutung des Islams in Europa überraschen. Doch entsprechen sie der radikal antiliberalen Weltanschauung unter Neuen Rechten. In der strikten Lebensweise vieler Muslime sehen sie das erfüllt, was dem ‚liberalisierten‘ Europäer zu ihrem Bedauern zusehends abgehe: Unbeugsamkeit, Härte und Gehorsam. Den alteingesessenen autoritären Strömungen erwächst Konkurrenz in Gestalt islamischer Erweckungsbewegungen. Deren Rigorismus wirft die Frage nach den Traditionen, Dogmen und Mythen auf, mit denen die Neue Rechte „die Verteidigung des Eigenen“ inszenieren will.

Vor dem Hintergrund einer in der Szene virulenten „Politischen Theologie“ will der Vortrag die Perspektiven der Neurechten auf den Islam nachzeichnen. In welchem Verhältnis steht die Skepsis vor Islamkritik zu der Propaganda gegen die Einwanderung von zumeist muslimischen Menschen? Und wer bildet für „rechtsintellektuelle“ Ideologen den „wahren Feind“, wenn der Islam es offenbar nicht ist?

Matheus Hagedorny studierte Philosophie, Neuere Geschichte sowie Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Bonn, war Dozent am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin und zuletzt Scholar-in-Residence des Institute for the Study of Global Antisemitism and Policy (ISGAP) an der Universität Oxford. Für die Wochenzeitung Jungle World schrieb er über die „rechtsintellektuelle“ Szene.

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