Antisemitische Parolen bei Nazidemo in Chemnitz

Etwa 600 Neonazis beteiligten sich am 1. Mai 2018 an einem Aufmarsch der rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ in Chemnitz. Für den „Arbeiterkampftag“ hatte die Kleinstpartei bundesweit unter dem Motto „Kapitalismus zerschlagen!“ mobilisiert. Letztlich blieb die Zahl der Teilnehmer*innen aber deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Kein Redebeitrag kam ohne antisemitisches Geraune aus, das wahlweise den „internationalistisch geprägten Liberalkapitalismus“, mächtige „Finanzmagnaten“ oder „One-World-Fanatiker“ für alle Übel der Welt verantwortlich machte. Tony Gentsch, stellvertretender Gebietsleiter „Der III. Weg – Mitte“, sagte, dass „Kapitalisten und Lobbyisten die Fäden ziehen“.

Die Neonazis skandierten unter anderem „1. Mai – seit ’33 arbeitsfrei“, „Deutschland erwache“ sowie „Ruhm und Ehre der deutschen Nation“. Auch antisemitische Parolen wie „Nie wieder Israel“ wurden mehrfach gerufen. Zudem riefen einige Neonazis in Richtung der Gegendemonstrant*innen „Ein Hammer, ein Stein – ins Arbeitslager rein“ und „Ihr bekommt noch Zyklon B“.

Ein Teilnehmer des Aufmarsches trug einen Pullover mit zwei gekreuzten Stielhandgranaten, dem Logo des SS-Sondereinheit Dirlewanger, das erst kürzlich von den Ordnern des neonazistischen „Schild und Schwert“ Festivals in Ostritz getragen wurde und von der dortigen Staatsanwaltschaft als verfassungsfeindlich eingestuft wurde. Die Polizei in Chemnitz nahm nach Hinweisen durch Journalist*innen die Personalien des Teilnehmers auf und leitete ein Ermittlungsverfahren ein.

Mehrere tausend Menschen protestierten gegen den rechtsextremen Aufmarsch. Ein breites Bündnis demonstrierte unter dem Motto „Chemnitz – Dem Rassismus keine Chance geben“. In unmittelbarer Nähe zur Auftaktkundgebung des „III. Weg“ fand ein Konzert statt. Viele bekannte Musiker, darunter auch die Chemnitzer Band Kraftklub, beschallten die Neonazis mit ihren Songs. Etliche Gegendemonstrant*innen hatten sich zudem an der Marschroute eingefunden, um den Neonazis lautstark deutlich zu machen, dass sie in Chemnitz nicht willkommen sind.

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