Der Antisemitismus gehört zu Deutschland (Borgmanns Blick)

Der Antisemitismus gehört zu Deutschland
Wie bitte?

Reinhard Borgmanns Kommentar zum Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft und der Solidaritätskungebung „Berlin trägt Kippa“.

Ja, Sie haben richtig gehört. Der Antisemitismus gehört zu Deutschland. Das tückische am Antisemitismus ist: Nichtjuden nehmen ihn nicht wahr. Sie kennen nicht die Vorbehalte, denen man begegnet, wenn man sich zum Judentum bekennt.

Wenn man es tut, dann kippt etwas: auf einmal ist man nicht mehr Nachbar, Arzt oder Kollege sondern – Jude. Und das hat etwas, was man im schwäbischen Geschmäckle nennt – etwas Unangenehmes – dazu geht man innerlich dann doch lieber auf Distanz. Aber natürlich nicht öffentlich.

Man ist ja kein Antisemit. Antisemiten sind immer die anderen: die Rechtsextremisten in der AfD, die den „Schuldkult“ abschaffen wollen, die durchgeknallten muslimischen Extremisten, die harmlosen Kippa-Trägern schon mal mit einem Gürtel ins Gesicht schlagen.

Der Antisemitismus sitzt tief in unserer Gesellschaft, meist im Verborgenen. Da werden dann Warenexporte aus Israel boykottiert oder antisemitische Musiktexte mit einem Preis dekoriert. Dass sie damit selbst Antisemiten sind, würden die Verantwortlichen weit von sich weisen. Und dass der Antisemitismus letztlich christliche Wurzeln hat, wird auch heutzutage noch gern verdrängt.

Berlin trägt Kippa ist daher eine tolle Aktion. Die sich daran beteiligt haben, beziehen öffentlich Stellung. Juden, Christen und Muslime. Und auch ganz und gar Ungläubige, die einfach nur ihre Solidarität zeigen wollen. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Das war prima.

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