Zur Situation der Juden in Frankreich – Interview mit dem Historiker Marc Knobel

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Wenn man beim CRIF, dem Dachverband der jüdischen Institutionen in Frankreich, anruft, um mehr über die Situation der französischen Juden zu erfahren, bekommt man zuerst einmal die offiziellen Fakten vorgelegt: Zahlen vom Innenministerium, die auf eingegangen Beschwerden über antisemitische Bedrohungen und Gewalttaten beruhen. Diese Zahlen machen einen erschreckenden Trend seit dem Ende der 90er Jahre deutlich, wenn sie auch nur die Spitze des Eisbergs abbilden können.

 

Noch 1998 lag die Zahl der antisemitischen Handlungen bei gerade mal 81 Vorfällen pro Jahr, 1999 bei 82 Vorfällen. Marc Knobel, Studienleiter des CRIF, macht einen Wendepunkt um die Jahrtausendwende aus, als eine Welle des Antisemitismus die jüdischen Gemeinden in Frankreich erschütterte. 744 antisemitische Vorfälle wurden 2000 verzeichnet, gefolgt von weiteren Spitzen mit 963 Vorfällen im Jahr 2002, 974 Vorfällen im Jahr 2004, 832 im Jahr 2009, 614 Vorfällen im Jahr 2012, 652 Vorfällen im Jahr 2014 und 808 Vorfällen im Jahr 2015.

In den letzten beiden Jahren sind die Zahlen auf den ersten Blick niedriger. 2017 wurden 311 antisemitische Vorfälle gemeldet, 2016 waren es 335. Warum also konstatiert das französische Innenministerium, dass die antisemitischen Attacken im Jahr 2017 „auf besorgniserregende Weise gestiegen sind“?

Bei der Interpretation dieser Zahlen muss man sehr genau hinschauen: Zwar ist die Summe der Vorfälle im Vergleich zu den Spitzenwerten der letzten beiden Jahrzehnte gesunken – jedoch sind die Zahlen immer noch deutlich über dem Niveau der späten 90er Jahre. Die Zahl der antisemitischen Gewalttaten ist zwischen 2016 und 2017 um 25% gestiegen, die Angriffe auf jüdische Einrichtungen um 21%. Die Zahl der antisemitischen Bedrohungen ist zwar gesunken, die der Gewalttaten aber deutlich gestiegen – beides geht ungeschieden in die jährlichen Zahlen ein. Die Qualität der Übergriffe verändert sich, die manifeste Gewalt gegenüber Juden in Frankreich steigt.

 

Doch wie lässt sich dieser Langzeittrend erklären? Auch wenn sich diese Frage nicht abschließend beantworten lässt, weißt Marc Knobel auf den Widerhall des Nahostkonflikts in französischen Straßen hin. Die antisemitische Gewalt in Frankreich korrespondiere systematisch mit der Eskalation der Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt. Der rasante Anstieg des Antisemitismus im Jahr 2000 stehe im Zusammenhang mit der zweiten Intifada im selben Jahr. 2014 tobte der Gazakrieg in Nahost – in Frankreich gab es trotz eines Demonstrationsverbotes gewaltvolle Ausschreitungen, Angriffe auf Synagogen und Läden jüdischer Besitzer. In den Straßen von Paris erklangen antisemitische Schlachtrufe: „Tod den Juden“.

In diesem Zusammenhang weist Marc Knobel auf einen wesentlichen Unterschied im europäischen Vergleich hin. Während in Deutschland die Mehrzahl der gemeldeten antisemitischen Straftaten auf das Konto der extremen Rechten gingen, sei die Rolle des Rechtsextremismusim Hinblick auf antisemitische Übergriffe in Frankreich marginal. Der Großteil der Übergriffe gehe von Tätern aus, die sich mit der „palästinensischen Sache“ identifizieren. Die Rolle von religiösem Fanatismus – namentlich Islamismus – wurde im Zusammenhang mit den brutalen antisemitischen Morden an Sarah Halimi und Mireille Knoll ebenso deutlich wie durch die Terroranschläge auf jüdische Einrichtungen. 2012 erschoss der Attentäter Mohamed Merah in Montauben vier Menschen bei einem gezielten Anschlag auf eine jüdische Schule. Im Januar 2015 stürmte Amedy Coulibaly einen jüdischen Supermarkt, tötete vier Menschen und nahm weitere als Geiseln. Kurz darauf werden mehrere Soldaten bei einer Messerattacke vor einer jüdischen Einrichtung verletzt. 2016 versuchte ein Schüler aus Marseille seinen jüdischen Lehrer mit einer Machete zu enthaupten.

Seit 2006 gab es in Frankreich elf Tote, Menschen die umgebracht wurden, weil sie Juden waren. Auch das ist aus anderen europäischen Ländern in den letzten Jahren nicht bekannt geworden.

Doch wie stellen sich diese abstrakten Zahlen und Trends aus jüdischer Perspektive dar? Marc Knobel vom französischen CRIF hat uns im Interview von der psychologischen Dimension dieser besorgniserregenden Entwicklungen erzählt.

 

Wie würden Sie die Situation der Juden im heutigen Frankreich charakterisieren?

Es ist wichtig zu verstehen, dass wir überhaupt nicht auf solche Gewalt vorbereitet waren. In den 90er-Jahren, kannten die Juden Frankreichs zwar die antisemitischen und den Holocaust leugnenden Aussagen Jean-Marie Le Pens und der extremen Rechten. Doch wir wurden nicht angegriffen, wie es heute passiert. Die religiösen Juden konnten mit einer Kippa auf dem Kopf durch die Straßen spazieren, die Gläubigen konnten eine Synagoge besuchen, ohne das kleinste bisschen beunruhigt zu sein. Die jüdischen Kinder in den öffentlichen Schulen wurden weder angegriffen, noch beleidigt. Die Eltern waren unbesorgt. Seit dem Jahr 2000 aber haben sich die Zustände geändert, auch auf einer psychologischen Ebene.

 

Können Sie mir ein Beispiel für diese Umbrüche geben?

Die Eltern deren Kinder öffentliche Schulen besuchten haben sich Sorgen gemacht, weil sie davon gehört haben, dass jüdische Kinder in einigen Schulen beleidigt wurden. Sie haben es bevorzugt ihre Kinder von den Schulen zu nehmen, und sie in religiösen Schulen – ob katholisch oder jüdisch – unterzubringen. Sie hofften, dass ihre Kinder auf diese Weise ein wenig sicherer wären, als sie es in den Jahren 2000-2004 waren. Aber was die Eltern zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten war, dass die jüdischen Schulen selbst zur Zielscheibe werden würden. Im März 2012 hat der Terrorist Mohamed Merah die Ozar-Hatorah Schule in Toulouse angegriffen und einen Familienvater, deine beiden Söhne im Alter von 4 und 5 Jahren und ein kleines Mädchen im Alter von 7 Jahren erschossen. Folglich gibt es große Angst unter den Eltern, was die Sicherheit ihrer Kinder angeht.

Um Ihnen ein anderes Beispiel zu geben: der Mord an Sarah Halimi. Frau Halimi wurde im April 2017 von ihrem Nachbarn brutal ermordet. Und erst vor wenigen Tagen wurde Mireille Knoll, eine Rentnerin und Holocaust-Überlebende in ihrer eigenen Wohnung umgebracht. Nach solchen Vorfällen machen sich auf die Älteren und ihre Familien Sorgen. Sie sagen sich, wenn das einmal passieren konnte, kann es anderswo wieder passieren. Das macht Angst, das traumatisiert die Leute.

Dazu kommen noch die verschieden Aggressionen, zu deren Opfer die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der Öffentlichkeit werden – sei es wenn sie nach oder vor einem Synagogenbesuch als jüdisch identifiziert werden oder so eine schlechte Begegnung in der Ubahn haben. Dieses Gefühl der Unsicherheit ist derartig stark, es ist wie ein brodelnder Vulkan.

 

Welche Konsequenzen ziehen die jüdischen Franzosen aus dieser Angst?

Erst vor Kurzem ist ein Terrorist in einen Laden in der südfranzösischen Stadt Trèbes gestürmt. Doch die Kunden dieses Supermarktes wurden nicht umgebracht, weil sie in Trèbes lebten. Im Januar 2015 jedoch, als der Terrorist Amédy Coulibaly in den jüdischen Supermarkt ging, wusste er ganz genau was er tut. Er hat seine Opfer eindeutig identifiziert und bewusst ausgewählt. Er war in einem Hypercacher [Kette koscherer Supermärkte] und wollte Juden umbringen. Das schreibt sich tief ins Bewusstsein ein. Und das Resultat von alledem ist, dass seit 2005 mehr als 61.900 Juden ihre Alija [Auswanderung nach Israel] gemacht haben.

 

Die Menschen gehen also wegen der antisemitischen Bedrohungslage nach Israel?

Es gibt multiple Gründe für diese Entscheidung. Einige junge Menschen gehen, weil sie in Israel studieren wollen oder aus beruflichen Gründen. Senioren wollen vielleicht ihre Rente in Israel verbringen. Aber andere gehen, weil sie Angst haben.

Wenn Sie in den Problemvierteln in der Vorstadt wohnen und als jüdisch identifiziert werden, werden Sie doppeltes Leid erleben. Das Leid, arm zu sein und in schwierigen Vierteln zu leben, und obendrein jenes, jüdisch zu sein und dafür angegriffen werden zu können.

Die Leute ziehen um, wenn sie die finanziellen Mittel dafür haben, um zum Beispiel im Westen oder im Süden von Paris zu leben. Aber dafür braucht man Geld. Und wenn Sie in den Bezirken bleiben, wo Sie sich bedroht fühlen, werden sie denken, dass sie über kurz oder lang angegriffen werden. Was werden Sie also machen? Die Juden, die Angst haben, sagen sich, dass sie nicht in Frankreich bleiben können und entscheiden also nach Israel, Kanada oder anderswohin zu gehen.

In Frankreich breitet sich der Eindruck aus, dass die Juden angefangen haben das Land zu verlassen.

 

Würden Sie sagen, dass es in Frankreich ein breites öffentliches Bewusstsein für die Problematik des Antisemitismus gibt – auch unter nicht-jüdischen Franzosen?

Es hat sehr viel Zeit gebraucht, damit die Leute verstehen, dass es ein Problem gibt. Von 2000 bis 2003, während der zweiten Intifada, haben die Verantwortlichen in der Politik gedacht, dass es sich um „gewöhnliche Gewalt“ handeln würde. Sie haben einen schwerwiegenden Fehler mit dieser Interpretation gemacht. Für uns waren diese Gewalttaten eindeutig. Es ist keine Bagatelle, einen Molotowcocktail gegen eine Synagoge zu werfen. Die Zahl der Aggressionen und die Tatsache, dass sie sich abspielten und verschlimmerten, als der israelisch-palästinensische Konflikt seinen Höhepunkt erreichte, all das gab uns den Eindruck, dass wir in eine neue Epoche eintreten – eine Epoche in der man zukünftig Juden angreifen kann, einfach nur weil sie jüdisch sind.

Wir mussten bis zum Jahr 2003 warten, als Jaques Chirac beim Geburtstag des CRIF im Präsidentenpalast verlauten ließ, dass wenn man die Juden in Frankreich angreift, man auch Frankreich angreift. Das markierte einen Wendepunkt. Doch die öffentliche Meinung blieb zunächst relativ teilnahmslos. Die Menschen haben sich nicht betroffen gefühlt, weil die Öffentlichkeit vor allem hörte, dass diese Gewalttaten Juden trafen.

Nach dem Attentat im Bataclan in Paris und dem Attentat von Nizza haben die Leute angefangen zu begreifen, dass es nicht mehr nur Polizisten sind, auf die abgezielt wird. Es sind nicht mehr nur Journalisten oder Juden, die angegriffen werden, sondern jeder. Die Demokraten müssen verstehen, dass die Extremisten das Fundament unserer Gesellschaft bedrohen.

 

Wie wird die Geschichte des Antisemitismus in Frankreich in den Schulen behandelt? Werden Themen wie die französische Kollaboration und die Shoah gelehrt?

Über die Shoah und die Entstehung Israel zu sprechen, ist extrem schwierig in einigen Klassen. Es gibt eine Art Konkurrenz um das Gedenken, einen Krieg der Erinnerungen und ein starkes Ressentiment. Schüler fragen ihre Lehrer: „Aber warum reden wir von der Shoah, reden Sie von der Nakba! Warum reden wir von der Shoah, reden Sie lieber vom Algerienkrieg oder der Sklaverei.“

Da gibt es Spannungen. Und einige Lehrer geben auf, sie entscheiden sich diesen Teil des Lehrplans nicht ausreichend zu behandeln. Warum? Weil Sie Angst vor der Reaktion ihrer Schüler haben. Ich erinnere Sie an den Kontext, als im Januar 2015 das Attentat auf Charlie Hebdo begangen wurde, haben sich einige Schüler in den Banlieus geweigert, die Schweigeminute in den Klassen zu respektieren

 

Ist also die Radikalisierung von Jugendlichen ein Hindernis für die Bildungsarbeit?

Wir wissen von einer soziologischen Studie über die beunruhigende Radikalität eines Teils der Jugendlichen. Die Studie wurde 2016 unter 7000 Schülern der 11. Klasse durchgeführt, in 23 Institutionen in schwierigen Vierteln. 51% der Schüler glauben vollständig oder teilweise an Verschwörungstheorien über das Attentat von 9/11. Ganze 24% der Schüler verurteilen die Attentate vom November 2015 nicht in Gänze. 32% der muslimischen Schüler und 6% der christlichen Schüler, denken, dass ihre Religion über eine absolute Wahrheit verfügt. Wenn die Schüler dem Verschwörungswahn anhängen und im Wesentlichen sagen „nein, man kann die Attentate nicht verurteilen, weil der Prophet beleidigt wurde“ , dann kann es gar nicht anders sein, als dass es Schwierigkeiten gibt die Geschichte in bestimmten Vierteln zu lehren. Die Schulen müssen sehr aufmerksam mit diesen Problemen umgehen, denn sie sind schwerwiegend.

 

In diesem Kontext wird häufig der französische Laizismus kritisiert. Was ist ihre Sicht auf die These, dass der Laizismus ein Nährboden ist, auf dem sich der religiöse Extremismus entwickeln kann?

Der Laizismus in Frankreich ist ein sehr wichtiges Fundament seit dem Gesetz von 1905. Dieses Gesetz beschützt uns. Jeder ist frei seine Religion im Privaten zu praktizieren, man muss jedoch diskret sein in der öffentlichen Sphäre. Das Gesetz von 1905 erfordert Respekt gegenüber allen Religionen.

In letzter Zeit sind einige Fragen aufgekommen. Im Bildungsbereich zum Beispiel. Die Frage wurde aufgeworfen, ob man über die verschieden Religonen unterrichten sollte. Denn viele Jugendliche wissen nicht viel über andere Religionen. In einigen Schulen wollten junge Mädchen nicht am Schwimmunterricht teilnehmen, da sie zusammen schwimmen mussten. In einigen Unternehmen wollen die Angestellten ihre Religion im Herzen der Firma praktizieren. Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder an religiösen Feiertagen am Unterricht teilnehmen. Aber wenn wir so anfangen Unterschiede zu machen, spalten wir uns. Wenn wir in den Schwimmbädern die Trennung von Mädchen und Jungen akzeptieren, wird man morgen auch auf den Schulhöfen und in den Klassenzimmern nach Geschlecht trennen. Das ist ganz einfach nicht möglich.

Diese Fragen benötigen neu angepasste Antworten. Aber ich möchte daran erinnern, dass der Laizismus ein Gemeingut ist. Man differenziert nicht nach Religionszugehörigkeit. Der Laizismus beschützt gleichzeitig die einen und die anderen.

Haben sie noch eine persönliche Botschaft?

Im Endeffekt betrifft uns der Antisemitismus und der Rassismus alle – in Frankreich wie in anderen Ländern. Welche Gesellschaft wollen wir? Länder, die von der extremen Rechten regiert oder vom Islamismus bedroht werden? Oder wirkliche Demokratien, wo jeder jeden in seiner Freiheit respektiert, im Bewusstsein der Gleichheit in Rechten und Pflichten?

 

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Entretien avec Marc Knobel du CRIF sur la Situation des Juifs en France

Quand on contacte le CRIF pour parler de la situation des Juifs en France, la première chose que l’on entend ce sont les faits, ils sont rapportés avec minutie. Puis, des chiffres, ceux des actes antisémites depuis l’année 1998, des chiffres communiqués par le ministère de l’intérieur, à la suite de plaintes ou de mains courantes déposées par les victimes. Ces chiffres montrent que l’antisémitisme s’accroit. Cependant, on ne soulignera jamais assez que ces chiffres reflètent surtout des tendances. Par conséquent, ils ne sont jamais exhaustifs.

En faisant un examen rétrospectif, nous voyons qu’en 1998, les chiffres s’élevaient à 81 actes, 82 actes en 1999. Marc Knobel, historien et directeur des études au CRIF, auteur de « Haine et violences antisémites. Une rétrospective 2000 – 2013 »[1], nous explique, qu’il y a eu un tournant, depuis le début des années 2000. En 2000, 744 actes ont été comptabilisés et les tendances sont inquiétantes: en 2002 (963 actes), en 2004 (974), en 2009 (832), 2012 (614), 2014 (652) et 808 actes, en 2015.

Pendant les dernières deux années, les chiffres ont diminué, à première vue. En 2017 on a comptabilisé 311 actes, en 2016, 335. Cependant,  le ministère de l’intérieur constate que les violences antisémites ont augmenté « de manière préoccupante. » Pour interpréter ces chiffres, il faut regarder cela de plus près. Certes, le nombre total d’actes antisémites en 2017 a diminué, si on dresse une comparaison avec les pics constatés des deux décennies précédentes. Mais, ces chiffres sont clairement plus élevés que les actes qui ont été comptabilisés, vers la fin des années 90. En 2017, les actions violentes augmentent (+26 % pour les actes antisémites cette année, contre +7,5 % pour les actes islamophobes). Précisons les données en ce qui concerne les actions antisémites : elles passent de 77 (violences) en 2016 à 97 en 2017. Les actions contre les sites Juifs, ont augmenté également et enregistrent une hausse de 22%. Ce qui est considérable.

Mais comment cette tendance s’explique? C’est une question difficile, mais ce qui est visible selon Marc Knobel, ce sont les répercussions du conflit israélo-palestinien dans les banlieues. Des individus sont animés par un sentiment d’hostilité à Israël plus ou moins diffus, exacerbé par la médiatisation d’affrontements au Proche-Orient. Ceci facilite leur projection dans un conflit, qui à leurs yeux, reproduit des schémas d’exclusion et d’échec dont ils se sentent victimes en France. En 2014, la guerre faisait rage à Gaza – en France, malgré l’interdiction de manifester, il y eut des manifestations violentes, des attaques contre des synagogues et des magasins juifs. Et, dans les rues de Paris les manifestants ont scandé : « Mort aux Juifs”.

Dans ce contexte, Marc Knobel attire notre attention sur d’autres situations en Europe. Pendant qu’en Allemagne, la plupart des actes antisémites signalés sont liés à des motivations d’extrême droite, le rôle de l’extrême droite en France en ce domaine est moins important qu’en Allemagne, probablement. Il y a d’abord la relation plus ou moins diffuse avec le conflit israélo-palestinien. Et, rôle du fanatisme religieux, notamment de l’islamisme, qui est devenue évidente dans le contexte des meurtres de Sarah Halimi et Mireille Knoll, aussi qu’après les attentats terroristes de 2012 et de 2015. En 2012, le terroriste Mohamed Merah assassine 4 personnes, lors d’un attentat ciblé contre une école juive. En janvier 2015, Amedy Coulibaly rentre dans un Hypercacher, il tue 4 personnes et prend des otages. Peu après plusieurs soldats sont blessés devant un centre juif, à Nice. En 2016, un élève à Marseille tente de décapiter son professeur juif avec une machette.

Depuis 2006, 11 français ont été assassinés parce que juifs. Il n’y a pas de précédent dans d’autres pays européens. Mais comment ces chiffres se présentent-ils et sont perçus dans la communauté juive? Marc Knobel nous parle de la dimension psychologique de ces développements préoccupants.

Comment vous caractérisiez la situation des juifs en France d’aujourd’hui ?

Ce qu’il faut bien comprendre c’est que nous n’étions pas du tout préparés à connaître et supporter une telle violence. Dans les années 1990, les Juifs de France entendaient les déclarations ignominieuses et antisémites ou négationnistes de Jean-Marie Le Pen et de l’extrême droite. Mais nous n’étions pas agressés, comme nous le sommes aujourd’hui. Les Juifs religieux pouvaient se promener dans la rue avec une Kippa sur la tête, les fidèles pouvaient entrer ou sortir d’une synagogue, sans la moindre inquiétude. Les enfants juifs dans les écoles de la république, n’étaient pas agressés, ni insultés. Les parents n’étaient pas inquiets. Donc depuis le milieu de l’année 2000, les choses ont changé mais aussi à un niveau psychologique,

Pouvez-vous me donner un exemple de ces bouleversements ?

Les parents qui avaient des enfants scolarisés dans les écoles laïques et républicaines se sont inquiétés parce qu’ils ont entendu que des enfants juifs étaient insultés dans certaines écoles, à partir des années 2005/6. Ils ont préféré retirer leurs enfants de ces écoles pour les scolariser dans des écoles confessionnelles, catholiques ou juives. Ils pensaient qu’ainsi leurs enfants seraient peut-être plus en sécurité qu’ils ne l’ont été par les années 2000/4. Mais ce que les parents ignoraient à cette époque, c’est que les écoles juives seraient ciblées. En mars 2012, un terroriste du nom de Mohamed Merah et qui se revendiquait d’Al-Qaïda, a attaqué l’école Ozar-Hatorah à Toulouse et il a assassiné un père de famille, ses deux fils de 4 et 5 ans et une petite fille de 7 ans. Donc il y a une angoisse chez les parents, qui concerne la sécurité de leurs enfants.

Pour vous donner un autre exemple, le meurtre de Sarah Halimi. Madame Halimi a été assassinée par son voisin, en avril 2017. Et il y a quelques jours, Mireille Knoll a été tué à Paris, dans son appartement. Donc les gens, des personnes âgées s’inquiètent et leurs familles aussi, parce qu’ils se disent que si cela a pu arriver, cela pourrait arriver ailleurs. Cela fait peur, cela traumatise les gens.

À cela s’ajoute les agressions dont les membres de la communauté juive ont été les victimes, en sortant d’une synagogue par exemple, ou par ailleurs lorsqu’ils font une mauvaise rencontre dans le métro, etc. Ce sentiment d’insécurité est tellement fort que c’est comme un volcan en ébullition.

Quelles conséquences tirent les français juifs de cette angoisse?

Vous avez entendu dernièrement qu’un terroriste est entré dans un magasin à côté de Carcassonne, dans le Sud de la France, dans la ville de Trèbes. Mais, les clients de ce supermarché n’ont pas été assassinés parce qu’ils vivaient à Trèbes. Par contre, en janvier 2015, le terroriste Amédy Coulibaly qui se revendiquait de Daech, lorsqu’il est rentré à l’intérieur d’un hyper cacher, il savait parfaitement ce qu’il faisait. Il avait identifié clairement ces victimes. Il était à l’intérieur d’un hyper cacher et il était venu assassiner des Juifs. Cela marque profondément les consciences. Et le résultat de tout ça, c‘est que depuis l’année 2005 plus de 61.911 ont fait leur Alyah, selon l’Agence juive.

Les gens partent en Israël à cause de cette menace de l’antisémitisme ?

Les raisons sont multiples. Quelques jeunes partent parce qu’ils veulent suivre des études et ils ont des projets professionnels, en Israël. Des retraités veulent passer leur retraite en Israël. D’autres partent en Israël parce qu’ils veulent devenir Israéliens, ils sont sionistes. Mais certains d’entre eux sont en Israël, parce qu’ils ont eu peur. Quand vous habitez dans des banlieues très difficiles, des ghettos urbains, si vous êtes identifiés comme étant de confession juive, vous allez subir comme une double peine. Celle d’être pauvre d’abord et de vivre dans des quartiers difficiles, mais en plus, on vous identifie comme étant de religion juive et l’on pourrait alors s’en prendre à vous.

Les gens déménagent s’ils ont les moyens financiers de le faire, pour habiter dans l’ouest ou le sud de Paris, par exemple. Mais pour déménager, il faut avoir de l’argent. Et s’ils restent dans les banlieues difficiles, ils vont penser qu’un jour ou l’autre ils pourraient être agressés. Alors, qu’est-ce qu’ils font ? Les Juifs qui ont peur se disent qu’ils ne peuvent plus rester en France et ils décident donc de partir en Israël, au Canada, ou ailleurs. Il y a un sentiment qui se répand en France, que les Juifs ont commencé à quitter ce pays, parce qu’ils sont inquiets.

Est-ce que vous disiez qu’en France généralement il existe une conscience publique de la problématique de l’antisémitisme aussi entre les français non-juifs ?

Il a fallu beaucoup de temps pour que les gens comprennent qu’il y a un problème. De 2000 à 2003, pendant la seconde Intifada, globalement les responsables politiques ont pensé qu’il s’agissait de violences ordinaires. Ils ont commis une grave erreur d’interprétation parce que nous, nous savions que ces violences étaient caractérisées. Ce n’est pas rien de jeter un cocktail Molotov contre une synagogue ! Le nombre d’agressions, le fait qu’elles se déroulaient ou s’aggravaient lorsque le conflit israélo-palestinien atteignait son paroxysme, tout cela nous faisait dire que nous changions d’époque. Dorénavant, l’on pourrait s’en prendre aux juifs, parce qu’ils sont juifs.

Il a fallu attendre l’année 2003 pour que, à l’occasion de 67ème anniversaire de la création du CRIF au palais présidentielle à paris, Jacques Chirac dise en substance que lorsque l’on agresse les Juifs en France, c’est la France que l’on agresse. Cela a marqué un tournant. Mais l’opinion publique est restée relativement indifférente, tout au moins pendant un temps. Parce que les gens ne se sentaient pas concernés, parce que l’opinion entendait que ces violences ne frappaient que des juifs. Elle n’imaginait pas alors que cela puisse la concerner également. Notamment, lorsqu’il est question de terrorisme.

Mais après l’attentat du Bataclan à Paris et l’attentat de Nice, les gens ont commencé à comprendre que ce ne sont plus seulement les policiers qui sont visés, ce ne sont plus seulement des journalistes qui sont visés, ce sont plus seulement des juifs qui sont visés, mais tout le monde. Il y a donc un changement, une autre perception. Il y a un sentiment d’insécurité et il s’accroit. Les gens se disent « Oh là, ça pourrait m’arriver aussi. » Ce que nous disons c’est que, ce n’est pas parce qu’une femme est agressée que seulement les femmes doivent réagir. Si un noir est agressé cela ne concerne pas que les noirs, ce n’est pas parce qu’un juif est agressé, que seulement les juifs doivent réagir. On ne peut pas être seul à affronter ce genre de situation. C’est aux démocrates de comprendre que les extrémistes menacent les fondements de même notre socié

Comment l’histoire de l’antisémitisme en France est-il traité ? Est-ce que l’on enseigne aux enfants l’histoire de la collaboration et de la Shoah ?

Parler de la Shoah ou de la création d’Israël, c’est extrêmement difficile dans certaines classes. Il y a une comme une concurrence mémorielle, une guerre des mémoires et un fort ressentiment. Vous entendrez des élèves interroger méchamment leur professeur : « Mais pourquoi vous parlez de la Shoah, parlez donc de la Nakba ! Pourquoi vous parlez de la Shoah ? Parlez plutôt de la guerre d’Algérie ou de l’esclavage ».

Il peut y avoir des tensions. Et puis il y a aussi la désertion d’un certain nombre de professeurs, qui décident de ne pas suffisamment traiter ces programmes. Pourquoi ?  Parce qu’ils ont peur de la réaction et que les élèves chahutent pendant le cours d’histoire. Je vous rappelle ce contexte, c’est-à-dire que lorsqu’il y a eu l’attentat contre Charlie Hebdo, en janvier 2015, un certain nombre d‘élèves dans les banlieues ont refusé de respecter une minute de silence, dans les classes.

Alors vous dîtes que la radicalisation des jeunes est un obstacle à l’éducation ?

Nous avons connaissance d’une enquête sur l’inquiétante radicalité d’une minorité de jeunes. Elle a été menée par les sociologues Anne Muxel et Olivier Galland. L’enquête a été réalisée entre septembre et octobre 2016, sur 7000 lycéens de seconde dans 23 établissements de quartiers sensibles. 51% de ces élèves adhèrent totalement ou partiellement aux théories du complot, dans le cas du 11 septembre 2001. 24% des élèves ne condamnent pas totalement les auteurs des attentats de novembre 2015. 32% des élèves musulmans ont une approche absolutiste de la religion, censée détenir une vérité absolue (6% des chrétiens). Lorsque des élèves croient aux délires complotistes et disent en substance  « Non, on ne peut pas condamner les attentats, parce que le Prophète était offensé » – Il ne peut y avoir alors que des difficultés à enseigner l’histoire, en certains quartiers. Les écoles doivent être très attentive à la manière de résoudre cette problématique, parce qu’elle est grave.

Dans ce contexte, la laïcité est souvent critiquée. Qu’est votre point de vue ? Certains disent que la laïcité est un terreau et que l’extrémisme religieux peut s’y développer ?

La laïcité en France, c’est un fondement très important depuis la loi de 1905. Cette loi nous protège. Chacun est libre de pratiquer sa religion dans la sphère privée, mais il faut être discret dans la sphère publique. Mais, la loi de 1905 requiert le respect de toutes les religions.

Par contre un certain nombre de questions ont été posées. Au niveau de l’éducation, par exemple. La question s’est posée de savoir si l’on devait enseigner le fait religieux à l’école ? Car, beaucoup de jeunes enfants sont ignorants en matière religieuse. Dans quelques écoles, des jeunes filles n’ont pas voulu se baigner dans les piscines municipales, parce qu’elles devaient se baigner avec des garçons. Dans les entreprises, certaines personnes veulent pratiquer leur religion, au sein même de l’entreprise. Des parents ne veulent pas que leurs enfants assistent aux cours lors des fêtes religieuses. Mais, si l’on commence comme cela, à faire des distinctions, nous diviserons. Si l’on accepte que dans les piscines, l’on puisse séparer les filles et les garçons, alors demain on séparera aussi les garçons et les filles dans les cours de récréation, et puis on les séparera aussi dans les salles de classe. Ce n’est tout simplement pas possible.

Ces questions nécessitent des réponses adaptées. Mais, je rappelle ici que la laïcité est un bien commun. On ne différence pas en fonction de l’appartenance à telle ou telle religion. La laïcité en même temps protège les uns et les autres.

Avez-vous encore un message personnel pour ceux qui ont lu cet article ?

La France est un magnifique pays avec de fortes valeurs. Elle dispose d’un message universel et l’identité de la France est plurielle.  Au final, l’antisémitisme comme le racisme en France -et dans d’autres pays- concerne tout le monde. Quelle société voulons-nous ? Des pays qui seront gouvernés par l’extrême droite dans certains pays ou menacés par les islamistes ?  Ou de vraies démocraties, ou chacun respectera chacun en sa liberté de conscience et à égalité de droit et de devoir ?

 

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[1] Paris, Berg International, 2013, 350 pages

 

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