Echogate – Antisemitismus wird in Deutschland wieder ausgezeichnet

Man mag es kaum glauben, dass im Jahre 2018 am jüdischen Holocaustgedenktag „Jom Ha-Shoa“, der wichtigste deutsche Musikpreis an Künstler vergeben wurde, deren Songs antisemitische Ressentiments verbreiten.

Das legt nahe, dass die Verantwortlichen des Echo keine Ahnung von dem haben was sie im „Ethik-Beirat“ eigentlich beschlossen haben, nämlich beurteilen zu können, welche Botschaften von dieser Entscheidung ausgehen. Es ist schlimm genug, dass die „Gesetze der Marktwirtschaft“ – übersetzt: sehr viele, sehr junge Menschen Musik für gut befinden, in der Farid Bang seinen Körper für „definierter als von Auschwitz-Insassen“ hält und Kollegah „wieder mal nen Holocaust“ machen will; Fatal ist allerdings wenn ein Beirat, eine Jury, ein Veranstalter die restlichen 50 % Entscheidungskraft aufbringen um dieser Verbreitung antisemitischer Ressentiments eine zusätzliche Plattform zu geben. Wer hier nur mit Gewährung der Kunstfreiheit argumentiert, übersieht die gesamtgesellschaftliche Verantwortung, die von der Ehrung solcher Künstler ausgeht, welche womöglich für Millionen von Jugendlichen als Idole fungieren. Und es ist ja nicht so, als ob es sich nur um eine einzige Textzeile auf dem aktuellen Album handelt. Wie die neulich ausgestrahlte WDR Story „Die dunkle Seite des deutschen Rap“ belegt, ist Kollegah schon in den vergangenen Jahren mit judenfeindlichen Texten und Videos in Erscheinung getreten. Insoweit gehört zu einer fachgerechten Beurteilung eines Künstlers auch immer die Erfassung des „Gesamtkunstwerks“. Wer hier einen weiteren Realitätsbezug herstellen will, lese nur mal die Zeitungen der letzten Wochen und Monate in denen immer wieder von antisemitischen Anfeindungen und Übergriffen unter Schülern berichtet wurde. Man kann heute nicht bestreiten, dass viele Jugendliche am liebsten Rap hören und sich von ihren großen Vorbildern, den Rappern, beeinflussen lassen. Wenn Rapper wie Kollegah aber antisemitische Ressentiments bedienen wie „Ich leih dir Geld, doch nie ohne jüdischen Zinssatz mit Zündsatz“, dann stellt man sich schon die Frage, inwiefern das zur Lösung des Problems beiträgt, solche Künstler vor dem ganzen Land zu ehren.

„Es ist höchste Zeit, ein Stoppschild hochzuhalten“, betont Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden im 3Sat Interview, damit solcher „Kunst“ keine weiteren Freifahrtscheine gewährt werden.

Photo: © Selfmade Records (Selfmade Records)
[CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0
)], via Wikimedia Commons

Newsletter

Facebook