Tausende gedenken Oury Jalloh in Dessau

Rund 3000 bis 4000 Menschen gedachten am 7. Januar 2018 in Dessau Oury Jalloh, der vor 13 Jahren in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte. Die Demonstrierenden forderten die umfassende Aufklärung und juristische Aufarbeitung seines Todes. 2010 war ein Beamter wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die „Initiative in Gedenken an Oury Jalloh“ fordert seit 13 Jahren ein Verfahren, in dem dessen Tod als Mord untersucht wird. Jalloh soll die feuerfeste Matratze in seiner Gewahrsamszelle selbst angezündet haben, obwohl er an Händen und Füßen gefesselt war. Der Feueralarm war von diensthabenden Polizisten mehrfach ignoriert und ausgeschaltet worden. Gutachten deuten zudem daraufhin, dass Brandbeschleuniger eingesetzt worden sein muss und das Feuerzeug, mit dem der Brand entzündet worden sein soll, erst nachträglich in die Zelle gebracht wurde.

Dem Mordverdacht gegenüber Polizeibeamten schließt sich laut “Monitor” mittlerweile auch der langjährige Ermittler der Staatsanwaltschaft Dessau an und hält zudem einen Zusammenhang mit zwei weiteren Todesfällen im Umfeld des Dessauer Polizeireviers für möglich. Er bezieht sich auf verschiedene Gutachten, die die Beteiligung Dritter am Brand nahelegen. Der Fall wurde der Staatsanwaltschaft Dessau im Juni 2017 entzogen und der Staatsanwaltschaft Halle (Saale) übertragen. Diese stellte das Verfahren trotz der Einschätzung der Dessauer Staatsanwaltschaft im Oktober 2017 ein.

Am Rande der Demonstrationsroute hielt die AfD eine Kundgebung gegen das Gedenken ab. Unter den etwa 150 Teilnehmenden befanden sich u.a. Hans-Thomas Tillschneider (MdB), Siegfried Däbritz und Lutz Bachmann (Pegida).
Der sachsen-anhaltinische Landes- und Fraktionsvorsitzende der AfD, André Poggenburg, zitierte zustimmend Franz-Josef Strauß mit dessen Ausspruch, die “roten Ratten” müssten dorthin gejagt werden “wo sie hingehören”. Rechte würden in der Öffentlichkeit angegangen “wie ‘33”, die Straßen müssten aber den “deutschen Bürgern gehören”, meinte sein Fraktionskollege Mario Lehmann. Oury Jalloh sei ein Krimineller gewesen und “hätte nicht in einer Gewahrsamszelle sterben müssen, wenn er vorher abgeschoben worden wäre”.

 

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