Fachveranstaltung: „Zusammenleben und Vielfalt vor dem Hintergrund von Flucht und Asyl“ (12.10.2017)

Am 12.10.2017 fand in Kooperation mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf die HaGer-Fachveranstaltung mit dem Titel „Zusammenleben und Vielfalt vor dem Hintergrund von Flucht und Asyl“ im Rathaus Charlottenburg statt. Nach der Begrüßung durch den Integrationsbeauftragten des Bezirksamts, Leon Friedel, sowie durch den Koordinator Politische Bildung des JFDA, Carl Chung, und einer kurzen Präsentation des Projekts „HaGer“ diskutierten rund 40 Fachexperten und -expertinnen aus dem Bereich Asyl und Integration in drei parallelen Austausch- und Netzwerkcafés.

Neben dem Thema „Bedarfslagen bei Flüchtlingen“ wurde sich zu den Themenbereichen „GefahrenlagenGefahren der Radikalisierung im Kontext Flucht“ sowie Situation von nicht-orthodox-sunnitischen Minderheiten“ ausgetauscht. Einen Einstieg in die jeweilige Thematik lieferten Impuls-Referate von Dr. Jutta Aumüller (cjd), Alma F. (HAYAT Deutschland) sowie Aziz Said (Assyrische Union Berlin) und Numan Emre (Alevitische Gemeinde Berlin).

Im Austausch- und Netzwerkcafé „Bedarfslagen bei Flüchtlingen“ wurden insbesondere Defizite auf struktureller Ebene besprochen – etwa beim Arbeitsmarktzugang, Bildung und Zugang zum Wohnungsmarkt. Die Erfahrungen der Teilnehmenden machten deutlich, dass es den Behörden in der Flüchtlingsarbeit teils an Kenntnissen über Bedarfe auf der einen und über vorhandene Angebote auf der anderen Seite mangelt. Daraus ergibt sich häufig eine fehlende Koordination beider Seiten, die beispielsweise zu einem Über- bzw. Unterangebot an bestimmten Projekten führt.

Im zweiten Austausch- und Netzwerkcafé „Gefahrenlagen“ wurden die Gefahr der Radikalisierung hier lebender Flüchtlinge und religiöser Extremismus thematisiert. Die Referentin warnte vor übertriebenem Alarmismus: Oft würde die sichtbare Hinwendung zum Islam vorschnell als Radikalisierung in Richtung eines militanten Dschihadismus gedeutet. Gefordert wurden mehr Fortbildungen zu den Themen Islamismus und Radikalisierung für Fachkräfte auf diesem Gebiet (sowohl für Behörden als auch für Mitarbeitende in der Sozialen Arbeit sowie Pädagogen).

Das Austausch- und Netzwerkcafé „Situation von nicht-orthodox-sunnitischen Minderheiten“  behandelte vor allem die Situation von Aleviten und assyrischen Christen sowie anderen religiösen Minderheiten in Berlin. Besorgniserregend ist, dass es unter Kindern und Jugendlichen in Schulen immer wieder Vorfälle von Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund der Religionszugehörigkeit gibt. Ebenso sind Konflikte und bekenntnisbezogener Hass zwischen Asyl- und Schutzsuchenden in Asylunterkünften durchaus alltäglich, während es nicht-orthodox-sunnitischen Minderheiten kaum gelingt, in einen konstruktiven Austausch mit orthodoxen Sunniten zu kommen. Gewünscht wurde mehr Austausch, Annäherung und Begegnungen zwischen Angehörigen verschiedener Religionsgemeinschaften, um Vorurteilen, Gewalt und Aggressionen entgegenzuwirken, aber auch zwischen den nicht-orthodox-sunnitischen Minderheiten in Berlin.

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