Antwort auf Pressestatement von Arte zur Kritik an der Arte Reportage

Wir begrüßten, dass Arte laut Pressestatement vom 1. August konsequent darauf achte, eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven des israelisch-palästinensischen Konflikts in seinem Programm abzubilden, um ein „vielfältiges und differenziertes Bild“ des Konflikts entstehen zulassen. Wir betrachten es als eine Aufgabe der journalistischen Berichterstattung, ausgewogen zu informieren, um den Zuschauern die Bildung eines eigenen Urteils zu ermöglichen.

Der subjektive Freiraum, den eine solche Reportage ermöglicht, bezieht sich unserer Ansicht nach auf die Darstellung der Perspektive und Erfahrung der Protagonisten. Es stellt jedoch eine Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht dar, wenn bei der Hintergrundrecherche keine Objektivität gewährleistet ist und ein Staat offensichtlich dämonisiert wird. (Dies haben wir in unserem Offenen Brief ausführlich dargestellt.)

Wir vermissen weiterhin eine Auseinandersetzung mit den von uns angeführten Kritikpunkten. Nicht die Darstellung der Ereignisse unmittelbar vor Ort werden kritisiert – auch wenn sich auch die Frage danach stellt, wie die Auswahl der Interviewpartner zustande gekommen ist – sondern die Einbettung dieser Interviews durch die Off-Kommentare. Diese rücken Israel in ein falsches Bild, wenn beispielsweise ohne weitere Kontextualisierung darauf hingewiesen wird, dass 2250 Menschen „beim Angriff Israels auf den Gaza-Streifen vor drei Jahren starben“. Dieser Kommentar führt in diesem Zusammenhang unweigerlich zu einem falschen Bild des Konfliktes.

Wir sind verwundert, dass Arte auf den Aufruf einer Vielzahl von Organisationen hin nicht bereit ist, sich auf eine inhaltliche Diskussion des Beitrags einzulassen und zu den genannten Punkten Stellung zu beziehen. Im Pressestatement weist Arte jegliche Verantwortung mit Verweis auf Form und freie Autorenschaft der Reportage von sich. Wir fordern weiterhin eine kritisch-argumentative Auseinandersetzung und sehen die Programmverantwortlichen in der Pflicht, das Bild des Konflikts gerade zu rücken und die Komplexität auch in einzelnen Reportagen zu berücksichtigen.

Abschließend heißt es im oben genannten Statement, dass Arte „keine eigenständige inhaltliche Position in dieser schwierigen Auseinandersetzung“ vertrete und stattdessen versuche „seinen Zuschauern und Internetnutzern ein eigenes fundiertes Urteil aufgrund unterschiedlicher und durchaus kontroverser Sichtweisen und Erfahrungshintergründe zu ermöglichen.“ Gerade dies wird durch die einseitige Sichtweise der von Ihnen beauftragten Autoren nicht gewährleistet.
Vor diesem Hintergrund verweisen wir erneut auf die Tätigkeit der Autorin Anna Paq und Teile ihres Teams für das Online-Portal „Electronic Intifada“, das nach Kriterien der „Arbeitsdefinition Antisemitismus des European Centre on Racism and Xenophobia“ antisemitische Positionen verbreitet. Es bleibt ein fader Beigeschmack, wenn eine Aktivistin dieser Plattform eine Reportage für Arte über Gaza macht, da „fallweise internationale Autoren mit ganz unterschiedlichen Hintergründen für die Aktualität“ tätig seien, um so „eine angemessene und differenzierte Berichterstattung in der Gesamtschau“ sicherzustellen. Antisemitismus ist eine menschenverachtende Ideologie, für die in einem von öffentlichen Steuergeldern finanzierten Sender kein Platz sein darf.

Die im Offenen Brief geäußerten Kritikpunkte an der Reportage „Gaza: Ist das ein Leben?“ wurden durch das Pressestatement von Arte keineswegs entkräftet und wiegen nach wie vor schwer.

Mit freundlichen Grüßen
Amadeu Antonio Stiftung
Arye Sharuz Shalicar
Christian Berninghaus
Danilo Starosta
Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
Efstratia Dawood, Historikerin und Filmemacherin
Guenter Loeffler
Hannes Greiling, Vorsitzender DIG Rhein-Neckar, Mannheim
Heinz Gess, Herausgeber „Kritiknetz – Zeitschrift für kritischen Theorie der Gesellschaft
Honestly Concerned e. V.
Itai Böing
Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e. V.
Lea Rosh, Vorsitzende Förderkreis „Denkmal für die ermordeten Juden Europas e.V.“
Michael Joachim
Mideast Freedom Forum Berlin
Natanella Yedgar
Scholars for Peace in the Middle East (SPME)
Semadar Pery
Stephan Raabe
Tilman Tarach
Unabhängige Synagogengemeinde Berlin – Bet Haskala e. V.
Ursula Wojciechowski
Wissenschaft für Frieden in Nahost (WIFNO)
WIZO Deutschland e. V.
Zentralrat der Juden in Deutschland

Veröffentlicht am 7.8.2017
Aktualisiert 7.8.2017 18:50

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Photo: Ramez Habboub (CC BY-SA 3.0)

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