Antisemitismus in französischer Debatte um die „Razzia von Vél d’Hiv“

PARIS, 16.07.17 In der letzten Woche gedachten der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu und der französische Präsident Emmanuel Macron gemeinsam den Opfern der Judenverfolgung im Nationalsozialismus. Anlass war die Festnahme von 13.000 Jüdinnen und Juden binnen zwei Tagen durch französische Polizisten, die sich am 16. Und 17. Juli zum 75. Mal jährte. Diese „Razzia vom Vél d’Hiv“ war in den meisten Fällen von der Ermordung der Jüdinnen und Juden in den NS-Vernichtungslagern gefolgt. Macron betonte die französische Verantwortung für die Judenverfolgung zu NS-Zeiten: „Nicht ein einziger Deutscher“ sei damals an den Massenfestnahmen beteiligt gewesen. Damit reagierte er nicht zuletzt auf Marine Le Pen der Partei „Front National“, welche im April Frankreichs Verantwortung für die „Rafle du Vel d’Hiv“ öffentlich abstritt.
Parallel zu diesen Gedenkveranstaltungen riefen die pro-palästinensische Organisation BDS (Boycott, Divestment, Sanctions) und „L’Union juive francaise pour la paix“ zu einer Kundgebung auf. Sie verurteilten die Einladung des israelischen Ministerpräsidenten. In ihrem Aufruf zur Demonstration bezeichnen die Veranstalter Israel als Kolonial- und Apartheidsstaat. Zudem wird der Staat Israel bezichtigt, die Erinnerung an den Holocaust für Regierungsinteressen zu instrumentalisieren.
Die Kundgebung fand am 15. Juli auf dem Place de la République mit etwa 80 TeilnehmerInnen statt. Plakate und Spruchbänder griffen sowohl den uralten antisemitischen Mythos der Jüdinnen und Juden als Kindermörder auf, als auch den geschichtsrelativistischen Vergleich der Situation in Gaza mit den NS-Konzentrationslagern.

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