Ausschreitungen und antisemitische Parolen bei Fußballspiel in Potsdam-Babelsberg

Vermummte Fans des FC Energie Cottbus skandierten beim Spiel in Potsdam-Babelsberg antisemitische Parolen und zeigten mehrfach den Hitlergruß.

Während des Fußballspiels des SV Babelsberg 03 gegen FC Energie Cottbus am 28. April in der Regionalliga Nordost zeigten Fans im Gästeblock wiederholt den sogenannten Hitlergruß in Richtung Fans des SV Babelsberg 03 und skandierten antisemitische und volksverhetzende Parolen wie “Arbeit macht frei, Babelsberg 03″ und “Zecken, Zigeuner und Juden”. Kurzzeitig wurde ein Banner der extrem rechten Hooligan-Gruppierung “New Society Chemnitz” sowie ein Banner mit der Aufschrift “H8” gezeigt. Da vermummte Gäste-Fans das Spielfeld stürmten und Feuerwerkskörper auf das Spielfeld sowie in den Block der Babelsberger Fans warfen, musste das Spiel zweimal kurzzeitig unterbrochen werden. Nach Abpfiff musste die Potsdamer Feuerwehr einen Brand im Gästeblock löschen, den abreisende Gästefans gelegt hatten.

Laut Polizei wurden 19 Strafanzeigen aufgenommen, wobei zehn Anhänger des FC Energie Cottbus vorläufig in Gewahrsam genommen wurden. Gegen die Männer werde nun wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt.

Levi Salomon, Sprecher des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus e. V. forderte, “dass die entsprechenden Täter strafrechtlich belangt werden und es nicht erneut zu solchen Szenen kommt.“ In der Vergangenheit kam es immer wieder zu antisemitischen Vorfällen durch Anhänger des FC Energie Cottbus. Zuletzt wurden beim Hinspiel im November antisemitische Parolen im Stadion skandiert und im Stadionumfeld Graffitis wie “Babelsberg vergasen!” gesprüht.

Unmittelbar nach dem Spiel sagte Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz zum Fußball gehöre Fankultur und Rivalität. Aus Emotionen entstünden möglicherweise „Dinge, die man so nicht tun will“. Das Präsidium des Cottbuser FC erklärte nun in einer Stellungnahme, dass rechtsextreme “Mitglieder der Gruppen Inferno Cottbus und Unbequeme Jugend” sowie “eine nicht unwesentliche Anzahl von Personen der ‘New Society’ Chemnitz” verantwortlich seien und distanzierte sich von “diesen Störern und vor allem von Neonazis”.

Im Gästeblock befanden sich während der Ausschreitungen neben dem Aktivisten der rechtsextremen “Identitären Bewegung” Robert Timm auch Jean-Pascal Hohm, Beisitzer im Vorstand der AfD Teltow-Fläming und ehemals Vorsitzender der Jungen Alternative Brandenburg. Bereits im Dezember letzten Jahres beteiligten sich beide an einer Sitzblockade vor der Bundeszentrale der CDU in Berlin, welche im Anschluss von der Polizei geräumt wurde. Offiziell distanziert sich die Führung der AfD von der vom Bundesverfassungsschutz beobachteten “Identitären Bewegung” – ein Beschluss, der innerhalb der Partei kontrovers diskutiert wird.

(3.5.2017)

 

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