Das „deutsche Volk“ als Opfer – Verschwörungsideologie und Selbstviktimisierung

9. Dezember 2016; 18-20 Uhr; Otto-Suhr-Institut; Ihnenstr. 21; Hörsaal A

 

„Umvolkung“, „großer Austausch“, „Vernichtung“. In (neu)rechten Milieus ist man sich einig: Dem „deutschen Volke“ soll es an den Kragen gehen. Im Hintergrund agierende Mächte, die nicht selten als jüdisch und/oder US-amerikanisch markiert werden, hätten sich schon seit Langem gegen die Deutschen verschworen, ihr Vorhaben sei allerdings stets am Widerstandswillen der Opfer gescheitert. Der neueste Versuch der globalen Elite sei es nun, das „deutsche Volk“ mit Hilfe gezielt herbeigeführter und ebenso gezielt nach Deutschland gelenkter „Flüchtlingsströme“ zu destabilisieren. Deutsche Politikerinnen und Politiker seien Teil dieser Verschwörung und arbeiteten bewusst gegen die Interessen des „deutschen Volkes“.

Auch wenn unterschiedliche Varianten dieser Verschwörungstheorie existieren, verbindet sie der Grundgedanke, Deutschland sei das Ziel einer globalen Verschwörung und stehe unmittelbar vor der großen Katastrophe. Diese Form der Selbstviktimisierung ermöglicht es den Akteur_innen, aus der selbst zugeschriebenen Opferrolle eine Legitimationsbasis für ihre eigenen, teils gewaltvollen Handlungen zu konstruieren. Getreu dem Motto: Wer angegriffen wird (mit dem Ziel der Vernichtung), wird sich doch wohl wehren dürfen?

Bei der Podiumsdiskussion und dem anschließenden Gespräch mit dem Publikum möchten wir unter anderem den folgenden Fragen nachgehen:
Welche Rolle spielen Opfermythen in (neu)rechten Milieus? Inwiefern bauen sie auf bestehenden antisemitischen und antiamerikanischen Verschwörungstheorien auf? Welche politischen Konsequenzen erwachsen aus diesen Opfermythen? Worin besteht die Attraktivität, sich im politischen Kontext zum Opfer zu stilisieren?

Podiumsdiskussion:
* Dr. Carsten Koschmieder – Politikwissenschaftler, FU Berlin
* Jonas Fedders – Freier Journalist und Soziologe
* Florian Eisheuer – Projektleiter und Bildungsreferent, JFDA

Moderation:
* Donata Künßberg – Online-Redakteurin, Leitung der Bewegungsplattform der taz

 

Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/561421520714892/
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Eine Veranstaltung des JFDA e.V. (Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus) im Rahmen des durch das Land Berlin geförderten Projektes „Vorsicht Verschwörung! – Neurechte Bewegungen und ihre Weltanschauungen“. In Kooperation mit der Fachschaftsinitiative Politikwissenschaft an der FU Berlin.

 

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen

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