Zum Tod des 9. israelischen Präsidenten Shimon Peres

Mit Shimon Peres ist eine herausragende Persönlichkeit und ein wichtiger Staatsmann von uns gegangen, der maßgeblich zur Verständigung und zum Frieden zwischen Israel und anderen Staaten beigetragen hat.

Mit tiefer Trauer und Bestürzung nehmen wir den Tod von Shimon Peres zur Kenntnis. Er diente seinem Land als Außenminister, Verteidigungsminister und Staatspräsident. Er engagierte sich nicht nur am militärischen Aufbau Israels, aber auch am Finden politischer und diplomatischer Lösungen. Sein Einsatz, insbesondere die Friedensverhandlungen mit den Palästinenserinnen und Palästinensern, trug so entscheidend zum Fortbestand und zur Sicherheit Israels bei.

Shimon Peres wurde 1923 in bescheidenen Verhältnissen, als Sohn eines Getreide- und Holzhändlers im polnischen Wishnewa geboren. Im Alter von 10 Jahren wanderte Shimon mit seiner Familie nach Palästina aus. Als Jugendlicher lernte Peres in einer Landwirtschaftsschule und engagierte sich in der Haganah, der Vorgängerorganisation der israelischen Armee. Er zählte zu den ersten Mitbegründern der Kibbuz-Bewegung in Galiläa. Nach der Staatsgründung Israels wirkte Peres maßgeblich an dem Ausbau der israelischen Armee und Rüstung mit. Dennoch betonte er stets die Wichtigkeit einer politischen Lösung der Probleme im Nahen Osten. Für sein Bemühen im Oslo-Abkommen, wurde er zusammen mit Jassir Arafat und Jitzchak Rabin im Oktober 1994 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Seine Friedensbemühungen waren von einem positiven Ausblick in die Zukunft geprägt, so schreckte er auch nicht vor einer Annäherung mit Deutschland zurück. Er schloss bereits 1957 mit dem damaligen deutschen Verteidigungsminister Franz Josef Strauß ein geheim gehaltenes Abkommen ab, und hatte somit für Israel lebensnotwendige Rüstungsgüter organisiert. Diese positive Haltung zu einer deutsch-israelischen Zusammenarbeit drückte er auch bei seinem Besuch der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und des Deutschen Bundestages anlässlich des Holocaust-Gedenktages 2010 aus. In seiner viel beachteten Rede im Deutschen Bundestag trat er nicht nur als damaliger Präsident Israels auf, sondern schilderte auch seinen persönlichen Schmerz. Darin erinnerte er sich an seinen Großvater, den er während der nationalsozialistischen Herrschaft verloren hatte. Dieser blieb in Polen zurück, wo er bei einem von deutschen verursachten Brand einer Synagoge, ums Leben kam. Trotz dieser traumatischen Erlebnisse, blieb Peres stets hoffnungsvoll und entschlossen in seinem Bestreben nach Verständigung und Frieden. So betonte er auch bei seiner Rede im Bundestag: „Und während es mein Herz zerreißt, wenn ich an die Gräueltaten der Vergangenheit denke, blicken meine Augen in die gemeinsame Zukunft einer Welt von jungen Menschen, in der es keinen Platz für Hass gibt. Eine Welt, in der die Worte Krieg und Antisemitismus nicht mehr existieren. (…) Die Jugend muss sich erinnern, darf nicht vergessen und muss wissen, was geschehen ist. Sie darf niemals, wirklich niemals, an etwas Anderes glauben, sich andere Ziele setzen als Frieden, Versöhnung und Liebe.“ Wir wollen uns an diesem traurigen Tag an diese hoffnungsvollen Gedanken von Shimon Peres erinnern und sie als Inspiration in der Arbeit des Jüdischen Forums fortwirken zu lassen.

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Shimon Peres zu Besuch bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 2010

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