36 Jahre Al-Quds-Tag. Der Tag der Vernichtungsdrohung gegen Israel – Einführung in die ideologischen Hintergründe

Einführungsvortrag von Berndt Georg Thamm zum Tagesseminar „Al-Quds-Tag – ein Rückblick“ der Polizei Berlin (Zentrale Serviceeinheit) und des American Jewish Committee (AJC) für Führungskräfte der Polizei Berlin, im AJC Berlin Office, am 07. Juli 2016.

 

Al-Quds, „die Heilige“, so der arabische Name für Jerusalem. Der „Al-Quds-Tag“ kommt einem gordischen Knoten gleich, der aus religiösen, politischen und rechtlichen Fäden besteht – was seine Zerschlagung mehr als schwierig macht.

Vorwort

Aus meiner Sicht ist die heutige Veranstaltung eine Art akzentuierter Fortschreibung. Vor gut 14 Monaten nahm ich an der Fortbildungsveranstaltung „Erscheinungsformen des Antisemitismus – Von der Zerstörung jüdischer Friedhöfe über den Protest am al-Quds-Tag bis zum antisemitischen Djihad“ der Polizei Berlin in Kooperation mit dem Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) und der Landesstelle für politische Bildung (LpB) Berlin teil, die am 16. April 2015 als Tagesseminar für Berliner Polizeibeamte stattfand.

Wie ich seinerzeit schon erwähnte, hat dieses Thema mit meiner Vita zu tun, schlagen doch zwei Herzen in meiner bald 70-jährigen Brust. Das eine gehört Israel, wo ich vor fast einem halben Jahrhundert Land und Leute fast über ein Jahr (1968/69) kennenlernen durfte. Mein letzter Besuch liegt gerade einmal ein paar Wochen zurück. Im Mai besuchten wir – eine Reisegruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft – diverse Einrichtungen des Landes. Dazu gehörte auch das Galilee Medical Care Center, das wohl wichtigste medizinische Zentrum in Nordisrael – unweit zur Grenze Syriens. In den letzten drei Jahren wurden hier über 1000 Verletzte aus dem Bürgerkriegsland Syrien behandelt, kostenlos und anonym, Zivilisten und Kämpfer, möglicherweise selbst Djihadisten. Die Gespräche mit den Medizinern beeindruckten uns zutiefst.
Mein zweites Herz schlägt seit fast 40 Jahren für die Polizei, der ich durch Informations-, Fort- und Weiterbildungsarbeit und einschlägige Veröffentlichungen zu den Themen Terrorismus, Organisierte Kriminalität und Rauschgift über Jahrzehnte verbunden bin. Eine Zeit, in der ich beeindruckende Polizeiführer insbesondere in Berlin kennenlernen durfte. Richtig angefangen hatte diese Arbeit 1979. In jenem Jahr begann ich, seinerzeit Leiter einer Berliner Drogenberatungsstelle, als Referent auf den sog. Drogenseminaren der JUNGEN GRUPPE der Gewerkschaft der Polizei (GdP) zu arbeiten.

Das Jahr 1979 – ein besonderes Jahr für den schiitischen Islam

Sowohl in der Welt des sunnitischen, als auch in der Welt des schiitischen Islam war das Jahr 1979 ein Jahr gravierender Änderungen mit nachhaltigen Folgen.
In der Welt des sunnitischen Islam kam es zum Ende jenen Jahres zum worst case. Am 20. November kam es in Saudi-Arabien zur ersten offenen und gewalttätigen Konfrontation der islamistischen Opposition mit dem Königshaus seit der Staatsgründung. Salafistische „Glaubenskämpfer“ stürmten in Mekka die große Moschee und nahmen Tausende Pilger als Geiseln. Dieser Anschlag war der erste islamistische Terrorakt der Moderne. Der sich zeitlich unmittelbar danach anschließende Afghanistankrieg (Dezember 1979 bis Februar 1989) wurde zum großen ersten Djihad der Moderne, aus dem der sunnitische Djihad-Terrorismus erwuchs.

In der Welt des schiitischen Islam wurde zu Beginn jenen Jahres, des Geburtsjahres des al-Quds-Tages, eine Zäsur geschlagen. Am 1. Februar war der Rechtsgelehrte und Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini (1900 – 1989) aus seinem Exil (Türkei, Irak, Frankreich) nach Teheran zurückgekehrt. Im ideologischen Gepäck hatte er die Doktrin, daß die USA und Israel zu den Hauptfeinden der Revolution zählten. Nur zwei Monate später wurde am 1. April die Islamische Republik als Theokratie proklamiert. Nach Vorstellung des Revolutionsführers Khomeini, der dieser vorstand, sollte der schiitische „Gottesstaat“ zum Ausgangspunkt für eine globale Ausbreitung der „islamischen Staatsidee“ werden. Um das revolutionäre Vorhaben zu schützen, rief Khomeini am 5. Mai eine „Armee der Wächter der Revolution“ ins Leben, die Revolutionsgarde (Pasdaran). Im Sinne der Doktrin, wer denn Feind der Revolution wäre, fand Khomeini deutliche Worte. So in seiner Rede in der Heiligen Stadt Qum am 28. Oktober: “… Alle Probleme der Muslime kommen von Amerika. Die Amerikaner unterstützen und stärken den Zionismus derart, dass er in der Lage ist, unzählige unserer Brüder hinzumetzeln. Die USA sind der Feind des Islam … Amerika ist der große Satan”.
Ein gutes Vierteljahr später, am 11. Februar 1980, dem Jahrestag der Revolution, drohte er dem Partner des „großen Satans“. „Seit über 20 Jahren warne ich vor der israelischen Gefahr. Wir müssen uns alle erheben, den Staat Israel auflösen und das Volk Palästinas an seine Stelle setzen“, Über 35 Jahre später erklärte noch der Führer der Pasdaran: „Das Ziel einer Zerstörung Israels ist nicht verhandelbar“.

Geburtsstunde des al-Ouds-Tages

Ein halbes Jahr nach seiner Rückkehr proklamierte Khomeini am 7. August 1979, dem letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan, den internationalen al-Ouds-Tag. Zum einen sollten sich an diesem Tag alle Muslime daran erinnern, daß das „von Israel widerrechtlich angeeignete“ al-Ouds (Jerusalem), die drittheiligste Stadt nach Mekka (Geburtsstadt des Propheten) und Medina (hier lebte und herrschte der Prophet) im Gebiet des Islam war. Und zum anderen sollten an diesem Tag alle Muslime ihre Solidarität mit dem palästinensischen Volk bekunden und für „die Befreiung der Muslime unter dem zionistischen Regime“ demonstrieren.

Krieg in Mittelost und Bürgerkrieg in Nahost bedrohen Israel

Ein gutes Jahr später griff Irans Nachbarstaat Irak den jungen Gottesstaat im September 1980 an. Khomeini rief daraufhin zum Djihad und zur islamischen Revolution gegen die gottlose Regierung in Bagdad. Der Schlachtruf des Ayatollahs während des verlustreichen ersten Golfkrieges (1980 – 1988) lautete: über Kerbala geht der Weg nach al-Quds.
Im Djihad gegen den Irak reanimierten die Schiiten ihren selbstmörderischen „Kriegerkult der Märtyrer“, dessen Wurzeln bis in die Zeit der Assassinen des 11. bis 13. Jahrhunderts reichen. Insbesondere die Pasdaran waren als Glaubenskämpfer für den Opfertod ausgebildet. Zu dieser Zeit befand sich der Libanon mitten im Bürgerkrieg (1975 – 1990), in dem Schiiten, Sunniten, Drusen und Christen involviert waren – und nicht zuletzt die aus Jordanien vertriebene PLO als eine Art Staat im Staate. Gegen diese von Yasir Arafat (1929 – 2004) begann Israel seine von General Ariel Scharon (1928 – 2014) geführte Operation „Frieden für Galiläa“, die zur Vertreibung der PLO aus dem Libanon führte. Alle Bürgerkriegskombattanten suchten um Militärhilfe nach. Die libanesischen Christen bekamen diese durch französische und amerikanische Friedenstruppen.
Die libanesischen Schiiten bekamen Unterstützung von rund 2000 Pasdaran, die das „Märtyrertum als Kriegswaffe“ vom Iran in den Libanon mitbrachten, das von dort in die sunnitische Welt des Nahen Ostens wanderte.
Die Erstanwender diese Waffe waren Mitglieder des 1981 von palästinensischen Muslimbrüdern in Gaza gegründeten „Islamischen Djihad in Palästina“. Bis zum heutigen Tage negiert diese Terrorgruppe die bloße Existenz des jüdischen Staates.
Ein Jahr später gründeten die libanesischen Schiiten mit Hilfe iranischer Pasdaran 1982 die „Partei Gottes“ (Hizbollah), die Amerika und dessen Alliierten Israel zum Hauptfeind deklarierten, eine bis heutige gültige Doktrin.
Die von Israel aus dem Libanon vertriebene PLO war ins Exil nach Tunesien gegangen. Das dadurch entstandene palästinensische Machtvakuum in der Levante nutzend, begründete Scheich Ahmed Yassin (1936 – 2004) in Gaza die „Islamische Widerstandsbewegung“ (Hamas), die Ziel und Zweck ihrer Existenz in einer bis heute gültigen Charta festlegte:

  • Hamas-Charta (Auszüge):
    In ihr findet sich das „Befreiungsziel im Kampf gegen Israel“ radikal formuliert. Israel, aus Sicht der Hamas der „hebräische Staat“ oder das „zionistische Gebilde“, wird von der Hamas nicht anerkannt, eine politische Lösung oder Zwei-Staaten-Regelung ausgeschlossen. So heißt es zum Beispiel im

    • § 11: Dieses Land oder ein Teil davon darf weder vernachlässigt werden, noch darf auf dieses Land oder auf einen Teil davon verzichtet werden. Weder ein arabischer Staat allein noch die Gesamtheit der arabischen Staaten, weder ein König oder Präsident noch die Gesamtheit der Könige oder Präsidenten, noch eine Organisation noch die Gesamtheit der Organisationen, seien sie palästinensisch oder arabisch, sind hierzu berechtigt. Denn Palästina ist islamisches Waqf-Land (also heiliges, den Muslimen auf ewig gestiftetes Land, das ihnen bis zum jüngsten Gericht vorbehalten ist, A.d.V.) … Dies ist der Status Palästinas nach der islamischen Scharia. Entsprechendes gilt für jedes Land, das die Muslime gewaltsam erobert haben (z.B. al-Andaluz in Spanien, A.d.V.), denn die Muslime der Eroberungszeit haben es den muslimischen Generationen bis zum Tag der Auferstehung als Stiftungsgut (waqf) übertragen …
    • § 13: … keine Lösung der Palästinafrage außer durch den Djihad.
    • § 35: Angesichts des Raubes Palästinas durch die Juden ist es unausweichlich, das Banner des Djihad zu entfalten. Dazu ist es notwendig, das islamische Bewusstsein unter den Massen des Volkes auf regionaler, arabischer und islamischer Ebene zu verbreiten, den Geist des Djihad in der Nation (umma) zu stärken und sich den Reihen der Glaubenskämpfer anzuschließen, um die Feinde zu bekämpfen …

Bis zum heutigen Tage werden sowohl die sunnitischen Terrororganisationen Hamas und Islamischer Djihad in Gaza, als auch die schiitische Hizbollah im Libanon, in ihren Attacken gegen Israel von Teheran auf vielfältige Weise unterstützt.

Al-Quds-Taq der Vernichtungsdrohung gegen Israel in Deutschland

Der 1979 von Khomeini ins Leben gerufene al-Quds-Tag hat vor den genannten Hintergründen bis heute neben der religiösen auch eine hochpolitische Komponente – eben die Vernichtungsdrohung gegen Israel, verbunden mit der Demonstration für ein „judenfreies“ Jerusalem.
In Deutschland fanden seit den 1980er Jahren Aktionen zum al Quds-Tag statt, bis 1995 vornehmlich in Bonn. Danach wurde Berlin zum zentralen Aufmarsch meist schiitischer Exil-Islamisten, die zur Unterstützung der Palästinenser bis 2002 mehr oder weniger ungestraft zur Vernichtung Israels aufrufen konnten. Diese und ein aggressiv demonstrierter Antisemitismus fanden dann doch zunehmend in der Öffentlichkeit Beachtung.

  • Am al-Quds-Tag 2002 zogen in Berlin mehr als 1200 Demonstranten über den Kurfürstendamm der City-West und skandierten „Kindermörder Israel“, „Tod Israel“, „Tod den USA“ und weitere Hassparolen. Ein palästinensischer Vater trug seine kleine Tochter, mit Dynamit-Attrappen und Stirnband als Selbstmordattentäterin bizarr verkleidet, auf seinen Schultern. Ein Bild, das um die Welt ging.
  • Den al-Quds-Tag 2003 meldete eine Privatperson, möglicherweise ein Strohmann der Hizbollah an, deren Anhänger/Sympathisanten regelmäßig an diesem Tag mitmarschierten.
  • Zum al-Quds-Tag 2004 war die Stimmung durch den Tod des Palästinenserführers Arafat aufgeladen, war dieser doch kurz zuvor am 11. November verstorben.
  • Im zeitlichen Vorfeld des al-Quds-Tages 2005 hatte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad am 26. Oktober in Teheran auf einer Konferenz mit dem Titel „Die Welt ohne Zionismus“ vor Studenten eine Rede gehalten. Er forderte die „Tilgung Israels von der Landkarte“ und beschwor die Zerstörung des Staates durch palästinensische Anschläge: „Es gibt keinen Zweifel – die neue Anschlagswelle in Palästina wird das Stigma im Antlitz der islamischen Welt ausradieren … Jeder, der Israel anerkennt, wird im Zornesfeuer der Islamischen Nation verbrennen“.

Eine weitere Änderung kam nach 2005. Israel hatte sich aus Gaza herausgezogen. Dort trat die Hamas 2006 gegen die Fatah von Arafat-Nachfolger Mahmud Abbas an und gewann die Wahl. Ihr Terrorziel wurde nun quasi zur Staatsdoktrin – eben „ein islamisches Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan“ zu schaffen. Dieses Ziel zu erreichen munitionierte im wahrsten Sinne des Wortes der Iran. Diese Art der Hilfe brachte Irans geistlicher Führer Ali Khamenei im Dezember 2014 auf einen deutlichen Punkt: „Von Anfang an hat die Regierung der Islamischen Republik … Feindschaft gezeigt gegen das zionistische Regime. Diese Politik hat sich bis heute fortgesetzt … Wir halfen der Hizbollah im Libanon, die eine schiitische Gruppe ist, in der gleichen Weise, wie wir der Hamas und Islamischen Djihad geholfen haben, und wir werden es auch weiterhin tun … Ich kündige an …, dass die Westbank wie Gaza bewaffnet werden sollte“.
Mit dem al-Quds-Tag 2014 wurde der zwei Wochen zuvor begonnene Krieg in Gaza – Israels Operation „Fester Felsen“ gegen Hamas und Islamischen Djihad – in ein noch intensiveres antisemitisches Abseits gedrängt.

Vor diesem Hintergrund wurde im Nachbarstaat Frankreich schwerpunktmäßig nicht mehr „Tod den Israelis“, sondern „Tod den Juden“ skandiert. Im Juli eskalierte in der Pariser Vorstadt Sarcelles die antisemitische Gewalt. Ein wütender Mob plünderte jüdische Läden, zündete einen Supermarkt an und versuchte die Synagoge des Ortes zu stürmen. Einen Tag zuvor waren im Pariser Viertel Barbès jüdische Geschäfte in Flammen aufgegangen. „Wir sind knapp einem Pogrom entgangen“, so die Reaktion des Vorsitzenden des Repräsentativen Rates Jüdischer Einrichtungen in Frankreich, Roger Cokierman.

Ein halbes Jahr später erfolgte in Paris im Januar 2015 der Anschlag auf das Redaktionsgebäude der Satirezeitschrift Charlie Hebdo und auf den koscheren Supermarkt Hyper Chacher im jüdischen Viertel der Hauptstadt Frankreichs. Die islamistischen Mörder töteten insgesamt 17 Menschen – 14 Zivilisten (darunter vier jüdische Bürger) und drei Polizisten. Nach diesen Terrortaten schrieb ein Franzose auf Twitter: „Die Zeichner sind gestorben, weil sie gezeichnet haben. Die Polizisten, weil sie uns beschützt haben. Die Juden, weil sie Juden waren“. Einer der Täter hatte sich als Mitglied des „Islamischen Staates“ (IS), die zwei anderen als Sympathisanten der al-Qaida (auf der arabischen Halbinsel) geoutet.

Al-Qaida vs IS – mit Jerusalem, ohne Israel

Eben der al-Qaida, die vor fast drei Jahrzehnten zum Ende des großen Djihad in Afghanistan 1988 vom saudischen Wahhabiten Osama Bin Laden (1957 – 2011) gegründet wurde und die durch Transformationen viele Gesichter bekam, bis hin zu dem aus der al Qaida im Irak (AQI) erwachsenen IS. Dieser neue IS und die alte Qaida konkurrieren seit wenigen Jahren um die Leadership im globalen Djihad. Was unterscheidet nun diese Terror-Konkurrenten?

  • Laut Qaida-Begründer Osama Bin Laden (OBL) soll eine sunnitisch-schiitische Einheitsfront gegen den Internationalen Unglauben (al-Kufre al-Alami) mit dem Ziel kämpfen, nach gewonnener Endschlacht (Armageddon) ein globales Kalifat zu errichten.
  • Laut IS-Vordenker Abu Mussab al-Zarqawi (1966 – 2006) kämpft eine rein sunnitische Einheitsfront gegen den Internationalen Unglauben & Glaubensabtrünnige (insbesondere Schiiten) und Glaubensverfälscher (z. B. Yesiden) vom nahöstlichen Territorium eines am 29. Juni 2014 proklamierten neuen Kalifats (für den neuen sunnitischen Menschen) mit dem Ziel, dieses um territoriale Zugewinne der Levante und weiteren Gebieten des Islam (dar al-Islam) zu vergrößern und auszubauen.

Was verbindet die Terror-Konkurrenten? Letztlich ihre Zielvorstellungen. Denn sowohl im zu gründenden Kalifat der al-Qaida als auch in der Territorialerweiterung des gegründeten neuen Kalifats/IS ist die Existenz Israels nicht vorgesehen, wohl aber die der Heiligen Stadt Jerusalem (al-Quds) – diese natürlich „judenfrei“.

Antisemitische Terrordrohungen und Taten der Terror-Konkurrenten

Sowohl der Qaida-Begründer als auch der IS-Führer/Kalif machten dies in Worten und Taten mehr als deutlich.

Wortzitate der Führer des Djihad-Terrorismus:

  • OBL im Dezember 1994 (noch vom Exil im Sudan aus): „Der jüdische Feind ist der Aggressor, der Verderber der Religion und der Welt … So ist es unsere gesetzliche Pflicht, im Namen Gottes Djihad zu führen damit Palästina vollständig befreit und wieder unter islamischer Souveränität leben kann“.
  • Abu Bakr al-Baghdadi alias Kalif Ibrahim im Dezember 2015: „Wir haben Palästina keine Sekunde lang vergessen“. Und er kündigte Angriffe an: man werde Palästina zu einem „Grab für die Israelis“ machen.

Gewaltandrohungen/ausübung durch die Terror-Konkurrenten:

  • OBL begründete 1998 die „Internationale Front für den Heiligen Krieg gegen Juden und Kreuzfahrer, die in der Folge einen territorial ungebundenen (Guerilla) Krieg führte, auch gegen Zivilisten. Beispiele antisemitischer Terrortaten:
    • Anschlagsplanungen auf jüdische Einrichtungen in Deutschland 2001/2002;
    • Anschlag auf die Al-Ghriba-Synagoge in Tunesien 2002;
    • Doppelanschlag auf israelische Touristen in Kenia 2002;
    • Doppelanschlag auf die Neve-Schalom-Synagoge und die Beth Israel-Synagoge in der Türkei 2003;
    • Anschlag auf israelische Touristen in Ägypten/Sinai 2004;
    • Anschlag auf ein jüdisches Zentrum in Indien 2008.
  • Der IS rief im Oktober 2015 vor dem Hintergrund der palästinensischen sog. Messer-Intifada gegen Israelis zum globalen „Mord an Juden“ auf. Das israelische Meir Amit Informationszentrum über Geheimdienste und Terrorismus berichtete darüber am 21.10.15. In der Darstellung hieß es u.a.:
    “… Die von … antisemitischer Hetze begleitete Kampagne soll die Palästinenser zu Anschlägen anspornen und sie dazu ermutigen, die Terrorkampagne auszuweiten … Das ‘Hauptzielpublikum’ der Kampagne sind die Palästinenser, doch die Inhalte dürften auch ein anderes breiteres Publikum erreichen, das sich mit dem IS identifiziert oder sich von ihm inspirieren läßt, sowohl in den Ländern des Nahen Ostens als auch in den muslimischen Gemeinden weltweit … Zudem könnte die Hetzkampagne … djihadistische Kräfte im Nahen Osten und weltweit, also nicht nur Palästinenser, zu Aktionen gegen Israel und gegen jüdische Ziele verleiten … als Reaktion auf den Aufruf des IS, Juden zu töten … Twitter wird zur Verbreitung von Botschaften benutzt, die zum Mord an Juden anstiften, etwa durch die Verwendung von Hashtags wie „Das Abschlachten der Juden“ … eine (wiederaufbereitete) Darstellung mit dem Titel „Empfindliche Stellen, geeignet zum Niederstechen von Juden“, welche die empfindlichen Stellen des menschlichen Körpers zeigt, die sich für Messerattacken eignen sollen. So wird etwa auf die Halsschlagader, die Beinschlagader und andere Stellen am menschlichen Körper hingewiesen …“

Diese „Anleitungen zu Messerattacken“ richtete der IS nicht nur an die Palästinenser in Nahost, sondern auch an die „einsamen Wölfe“ in den muslimischen Gemeinden weltweit, auch in Europa, auch in Deutschland.

  • Hier griff Ende Februar eine 15-jährige deutsch-marokkanische Schülerin im Hauptbahnhof in Hannover einen Bundespolizisten bei einer Personenkontrolle an und stach diesem ein Gemüsemesser in den Hals. Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft (Stand Mitte April) hatte die Tat des Mädchens einen terroristischen Hintergrund. Sie war davon überzeugt, daß sich die Schülerin spätestens im November 2015 das Gedankengut des IS zu eigen gemacht hatte.
  • Jüngstes Opfer einer derartigen Messerattacke wurde Ende Juni ein 13-jähriges Mädchen (mit US-Staatsbürgerschaft) im Westjordanland, das von einem palästinensischen Attentäter im Schlaf erstochen wurde. Ein zweiter Israeli wurde schwer verletzt.

Sunnitische und schiitische Judenhasser vereint gegen Israel

Der diese jungen Attentäter inspirierende IS bekämpft als selbsternannte „Schutzmacht der Sunniten“ insbesondere in Nahost die „glaubensabtrünnigen“ Schiiten gnadenlos. Doch so unversöhnlich sich im langen und blutigen innerislamischen Konflikt schiitische und sunnitische Kombattanten gegenüberstehen, zur Erinnerung sei der gegenwärtige Stellvertreterkrieg im Jemen genannt, so gegenstandslos wird diese Unversöhnlichkeit, wenn es um Judenfeindschaft und erst Recht gegen den verhassten Feind Israel geht.

Erst vorgestern (2. Juli) wurde dies auf der nunmehr schon 20. Demonstration des al-Quds-Tages in Berlin (seit 1996) deutlich, auf der Exil-Schiiten (nicht zuletzt Hizbollah-Sympathisanten) und sunnitische Palästinenser (auch Hamas-Sympathisanten) gemeinsam gegen Israel für ein „freies Gaza“ demonstrierten – eben dem Operationsgebiet der Hamas, des Islamischen Djihad und mittlerweile wohl auch des (über Ägypten/Sinai gekommenen?) IS – deren Anliegen nicht zuletzt die Vernichtung Israels ist.

Der al-Quds-Tag 2016 wurde vergangenes Wochenende nicht nur hier in Berlin, sondern auch in seiner Proklamationsstadt Teheran begangen, wo selbst der iranische Präsident Hassan Ruhani mitdemonstrierte. Der Führer der iranischen Revolutionswächter, Pasdaran General Hossein Salami, erklärte gar vor Studenten: „Allein im Libanon stehen mehr als 100.000 Raketen bereit, um jederzeit das Herz des zionistischen Regimes zu treffen“. Diese Vernichtungsdrohung ist bis zum heutigen Tage letztlich der Kern der al-Quds-Demonstration. Und wer denn vor diesem Hintergrund den al-Quds-Tag als Demonstration auf seinen Straßen zuläßt, läßt damit eben auch die „Botschaft der Vernichtung des Staates der Juden“ zu.

Berndt Georg Thamm

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Bild: Schild auf dem Al-Quds Marsch 2016 in Berlin „Hizb Allah – Das sind die Sieger“

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