EVENT: „Es kommt darauf an, zu widersprechen – Antisemitismus in Deutschland“

Podiumsgespräch zum aktuellen Antisemitismus, am Donnerstag, 4. Februar 2016 um 19 Uhr, im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Mit: Petra T. Fritsche (Stolpersteinaktivistin), Anne Goldenbogen (Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus), Andrej Hermlin (Musiker), Levi Salomon (Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus)

Moderation: Hans Coppi (Berliner VVN-BdA) und Benjamin Steinitz (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS)

Veranstalter: Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –Bund der AntifaschistInnen (VVN-BdA e.V.), Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V.), Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin, Stiftung Haus der Demokratie und Menschenrechte, Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus

„Hallo, dreckige Judenfreundin, Wir werden nicht nachlassen, eure Symbole zu schänden, mit denen ihr unser schönes Friedenauer Stadtbild vergewaltigt“ heißt es in einer E-Mail an Petra T. Fritsche, die Stolpersteine in Friedenau verlegt. Auf der Al Quds-Demonstration im Juli 2015 wurde von einem Redner „Tod Israel, verflucht seien die Juden und Sieg für den Islam“ skandiert. Ein Jahr zuvor war es im Zusammenhang mit der Eskalation im Gazakonflikt zu Beleidigungen gegen und Angriffen auf jüdische Menschen und solche die sich mit Israel solidarisierten in Berlin und anderen Gegenden Deutschlands gekommen. Äußerungen auf Pegida- und Legida-Demonstrationen zeigen wie stark Rassismus und Antisemitismus zusammengehen. Hinzu kommt der offene Antisemitismus von Neonazis, aus der Mitte der Gesellschaft und aus dem muslimischen Milieu.

Wir müssen darüber reden.

Aus einem Interview mit Andrej Hermlin im November 2014:
„Gerade in der Presse wird in letzter Zeit behauptet, der Antisemitismus hierzulande sei der Antisemitismus jener Menschen, die aus arabischen Ländern zu uns gekommen sind. Dass der dort besonders verbreitet ist, ist unstrittig. Aber die deutschen Antisemiten mit diesem Verweis gleichsam aus ihrer Verantwortung zu entlassen, ist natürlich billig. In Wahrheit verhält es sich so, dass sich hier plötzlich Menschen miteinander verbünden, die eigentlich sonst nichts miteinander zu tun haben. Nämlich Neonazis, Palästinenser, Araber, linke Antisemiten. Es ist momentan in unserer Gesellschaft eine Tendenz zu erkennen, alles in Frage zu stellen. Die Leute raunen: Die Regierung belügt uns, die Medien belügen uns, es ist eine große Verschwörung der Amerikaner und Juden im Verbund mit den Medien, der NSA, und der FED (Zentralbank der USA) im Gange.“

Lässt sich überhaupt etwas dagegen tun?

„Ja wir müssen aufklären, man muss Veranstaltungen machen, man muss Demonstrationen, Lichterketten organisieren, mit Menschen sprechen und so weiter und so fort. Ich sag ja auch nicht, dass man das nicht tun soll – nur glaube ich nicht an die Wirkung solcher Maßnahmen.
Es wird immer wieder behauptet, das alles, was wir im Moment erlebten, sei ja kein Antisemitismus. Wenn ich sagte: Antisemit ist derjenige, der für die Wiedererrichtung von Gaskammern ist – nun, dann fänden wir wohl nur sehr wenige Antisemiten unter den Deutschen. Wenn ich aber die Deutschen fragte: Glaubt ihr, dass die Juden die Welt beherrschen? Glaubt ihr, dass es Zeit ist aufzuhören von der Shoah zu reden, würde ich zweifellos die entsprechenden, ernüchternden Antworten bekommen. Jede unwidersprochene antisemitische, rassistische Bemerkung ist eine Niederlage. Es kommt also darauf an zu widersprechen.“
Das gesamte Interview: antifa.vvn-bda.de/2014/11/12/es-kommt-darauf-an-zu-widersprechen/

Hinweis
»Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.«

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