JFDA e.V. stellt neue Studie zum antisemitischen Djihad vor

Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus legte diese Woche eine Studie vor, die den internationalen Djihadterrorismus beleuchtet. Titel der Studie: »Terroranschläge in Paris gegen Juden und ›Kreuzfahrer‹. › Der antisemitische Djihad als ›Holy World War‹«. Auf 132 Seiten zeigt der Autor Berndt Georg Thamm, dass sich der gewalttätige Antisemitismus wie ein roter Faden durch das djihadterroristische Geschehen der letzten 25 Jahre zieht.

Sie erinnern sich an die Bilder eines Vorfalles in Toulouse, als 2012 ein algerischer Djihadist in eine jüdische Schule eindrang und einen Rabbiner, seine Söhne und eine weitere Schülerin ermordete? Zwei Jahre später waren es zwei israelische Touristen, die im Jüdischen Museum in Brüssel erschossen wurden. Anfang 2015 verübten drei selbsternannte „Gotteskrieger“ Mordanschläge auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und anschließend auf einen koscheren Supermarkt in Paris. Wenig später wurde ein Wachmann vor einer Synagoge in Kopenhagen ermordet. Der Europäischen Wertegemeinschaft wurde deutlich, dass der islamistische Terror mittlerweile in Europa angekommen ist.

Anschläge auf jüdische Menschen und Einrichtungen
Deutlich wurde auch, dass der Terror zumeist jüdische und israelische Menschen und Einrichtungen trifft, dass das Töten von Juden zum Selbstverständnis des Djihad gehört. Die jüdischen Opfer sind keine zufälligen »Kollateralschäden« terroristischer Anschläge, sondern gehören zum elementaren Bestandteil des islamistischen Gotteskrieges. Darüber war die Jüdische Gemeinschaft stark beunruhigt.

Auch Levi Salomon vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V. (JFDA) betrachtete die Anschläge auf jüdische Einrichtungen nicht als Zufall. Er setzte sich mit dem Terrorismusexperten Berndt Georg Thamm – ebenfalls JFDA – zusammen und bat ihn, in einer ausführlichen Studie einmal das ganze Ausmaß an Gewalt gegenüber Juden durch Terroranschläge zu erfassen.

Der Autor Berndt Georg Thamm
Für ein solches Thema ist Berndt Georg Thamm genau der richtige Mann. Thamm arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Referent, Berater und Fachpublizist für verschiedene Strafverfolgungsbehörden, darunter auch für die Berliner Polizei. Seit Jahrzehnten erstellt er Expertisen zu Organisiertem Verbrechen und „Internationalem Terrorismus“.
Der Autor verfügt nicht nur über ein umfangreiches Detailwissen auf dem Gebiet des Terrorismus, sondern weiß auch, Themen zügig anzugehen. Mit akribischer Genauigkeit arbeitete er in kürzester Zeit eine bisher einzigartige Chronologie sämtlicher terroristischer Vorkommnisse heraus, in denen ein klarer, antisemitischer Hintergrund erkennbar ist, beginnend mit den globalen Mordaufrufen der al-Qaida im Jahr 1998.

Antisemitische Speerspitze
Thamms Leistung geht über das Erstellen eines chronologischen Handbuchs weit hinaus. Er analysierte in der Studie die verschiedenen Erscheinungsformen antisemitischen Terrors und arbeitete den sichtbare Strukturwandel heraus, den al-Qaida über die Jahrzehnte durchlaufen hat, von der al-Qaida Bewegung im Irak zum Islamischen Staat, unterwegs auf dem Weg zum Kalifat. Thamms Quintessenz lautet: „Der gewalttätige Antisemitismus zieht sich wie ein roter Faden durch das djihadterroristische Geschehen der letzten 25 Jahre und hat damit eine ganz klare antisemitische Speerspitze.“

Individueller Djhad und Israelisierung Europas
Der Titel der JFDA-Studie, die nun herausgegeben wurde, lautet denn auch: „Terroranschläge in Paris gegen Juden und ‚Kreuzfahrer‘ – der antisemitische Djihad als Holy World War.“ Es ist eine umfangreiche Studie von 132 Seiten, die angesichts der eskalierenden Situation in Israel von hoher Aktualität ist. Berndt Georg Thamm beschreibt es ao: „Die selbsternannten Gotteskrieger kämpfen heute nicht mehr ausschließlich in Armeen, sondern folgen zunehmend einem individuellen Djihad, werden von Einzelpersonen oder Kleinstgruppen verübt.“
In Israel werden momentan täglich Selbstmordattentate auf jüdische Menschen mit Äxten, Brandbomben und Messern ausgeführt. Der Autor prognostiziert: „Das ist leider etwas, worauf wir uns zukünftig auch in Europa einstellen müssen: ich nenne es die Israelisierung Europas. So wie Israel sich in einem permanentem Alarmzustand befindet, ist dies zukünftig auch für Europa vorstellbar.“

Psychologische Kriegsführung
Sorge, dass Deutschland durch den enormen Zulauf an Flüchtlingen Gotteskrieger ins Land holt, halten Thamm und das JFDA allerdings für unbegründet.
„Sicher werden die Flüchtlinge Deutschland verändern“, meint auch Lala Süsskind, die Vorsitzende des Jüdischen Forums. Gleichzeitig wird kein ausgebildeter Gotteskrieger in einem Boot über das Mittelmeer fahren und riskieren, dabei zu ertrinken. Diese Angst zu schüren sei vielmehr Teil der psychologischen Kriegsführung des IS. Allerdings gäbe es unter den Flüchtlingen viele, die sehr anfällig für Antisemitismus seien und westliche Werte nicht teilten. „Sie sind in einer Kultur aufgewachsen, in der Judenhass völlig normal ist. Wir nehmen sie hier in Deutschland gerne auf, dürfen sie aber nicht allein lassen“, sagte Lala Süsskind.

Ein Problem der Juden?
Die Studie wurde mit der finanziellen Unterstützung vom Zentralrat der Juden gedruckt und kann gegen eine Bereitstellungspauschale von 3,00 Euro über das JFDA bezogen werden. „Wir danken dem Zentralrat für die Unterstützung unserer Arbeit“, sagte Lala Süsskind, die Vorsitzende des JFDA. „Wir bedauern aber gleichzeitig, dass das Problem dadurch bei uns als ein rein jüdisches Problem bleibt.“

Bestellung: JFDA-Studie

Susette Wahren

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