Ein Feuerwerk der jüdischen Kultur – Maccabi Chai

Die 14. Europäischen Makkabi-Spiele in Berlin sind eröffnet und finden derzeit zum ersten Mal in ihrer Geschichte in Deutschland statt. Hier in Berlin treten noch bis zum 5. August mehr als 2000 Sportlerinnen und Sportler aus 36 Ländern in 19 Sportarten gegeneinander an. Mit viel Musik und Unterhaltung, nachdenklichen Reden und einem Feuerwerk fand am vergangenen Dienstag die große Eröffnungsfeier in der Waldbühne statt.

Die Anfänge
Gegen 20:00 Uhr füllten sich langsam die Plätze. Die Sitze waren noch nass vom letzen Regenschauer und die ausgelegten Infokataloge „Maccazine“ wellten ihr feuchtes Papier. Rasch war ein Blick hineingeworfen und einige Details über die jüdische Sportbewegung Makkabi (englisch Maccabi) gelesen. Makkabi-Sportvereine gibt es seit 1885. Im Jahr 1898 entstand der Berliner Verein. Die Europäischen Maccabi Games wurden das erste Mal im Jahre 1929 in Prag abgehalten. Nazi-Deutschland und Antisemitismus führten zu einer dreißigjähriger Unterbrechung. Erstmals wurden die Eurpopäischen Makkabi-Spiele dann wieder 1959 in Kopenhagen ausgetragen. 56 Jahre später finden die Makkabi-Spiele also zum ersten Mal wieder in Berlin statt.

Buntes Potpourrie von Ländern und Kulturen
Nun betrat Palina Rojinski die Bühne, eine deutsche Schauspielerin russisch-jüdischer Herkunft, die den Eröffnungsabend zusammen mit dem israelischen Hörfunk- und Fernsehmoderator Yigal Ravid moderierte und die etwa 8000 anwesenden Gäste begrüßte.
Den ersten musikalischen Auftritt lieferte der Berliner Moslem Adel Tawil, dessen Eltern aus Nordafrika stammen und der sich mit dem Song „Du bist vom selben Stern“ mit dem Herzschlag des Publikums verband. Es folgte ein gemeinsamer Auftritt Tawils mit dem amerikanisch-jüdischen Sänger Matisyahu, der in den USA den Begriff des „Chassidischen Reggae“ prägte. Da verband sich das nordafrikanische Berlin mit der Synthese aus Moderne und traditionellem Judentum. Ein Auftritt, der begeisterte.

Die Nationen begegnen sich
Nächster Höhepunkt der Feierlichkeiten war der Einmarsch der Sportlerinnen und Sportler, die in ihren bunten Trikots, farbigen Luftballons und jeweiliger Landesflagge unter großem Applaus und Jubel des Publikums einliefen. Da gab es große und ganz kleine Teams. Zu den großen zählten Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland und auch die Türkei. Deutschland war mit 376 Teilnehmenden die stärkste Mannschaft. Bemerkenswert fiel der Einzug von Irland und Georgien aus, die mit jeweils nur einem einzigen Vertreter zu den Winzlingen unter den teilnehmenden Nationen gehörten.
Für riesigen Jubel sorgte das amerikanische und das deutsche Team. Da hielt es besonders die jungen Fans nicht mehr auf ihren Sitzen. Sie stürmten von allen Rängen nach vorne zur Bühne, um ihre Lieblingssportler und Idole persönlich mit Handschlag zu begrüßen. Es gab zwischenzeitliches Gerangel zwischen Presse und den dreikäsehohen Fans, weil die Kids in ihrer ungebremsten Euphorie den Kameras die Sicht versperrten. Die Ordner gaben schließlich auf, für Ordnung zu sorgen, denn die kindliche Leidenschaft war nicht in den Griff zu bekommen.
Das deutsche Team quittierte den Jubel des Publikums, indem es Trikots in das Publikum warf. Nicht jede, die so ein T-Shirt an den Kopf bekam, war darauf eingestellt.

Schirmherr Joachim Gauck
Über die Ankunft der mehr als 2000 Athleten war es dunkel geworden und die Ränge der Waldbühne mit den feiernden Sportteams gut gefüllt. Nach dem Auftritt eines 50-köpfigen deutsch-israelischen Jugendorchesters folgte die Rede des Bundespräsidenten Joachim Gauck, dessen deutsche Worte in englischer Übersetzung auf die Bühne projiziert wurden. Die jüdische Sportbewegung sei nach Hause gekommen, sagte Gauck darin, denn die Makkabi-Spiele hätten vor dem Krieg schließlich in Deutschland ihren Anfang genommen: „In gewisser Weise ist Makkabi damit zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, ‚Maccabi’s coming home‘ kann man vielleicht sogar sagen.“

Es lebe Makkabi
Im Anschluss sprach Alon Meyer, der Präsident von Makkabi Deutschland. Er arbeitete in seiner langen Rede heraus, dass der Antisemitismus in Deutschland die Entstehung der Makkabi-Bewegung nötig gemacht habe. „Längst vor dem staatlich verordneten Antisemitismus wurden jüdische Mitglieder mehr und mehr von Sportvereinen ausgeschlossen oder dort als Mitglieder zweiter Klasse behandelt. “
Und er betonte die positive Entwicklung des Verhältnis zwischen Juden und Deutschland auch auf sportlicher Ebene. Man habe sich bei den Makkabi-Spielen 1969 in Israel geschämt, die deutsche Flagge zu tragen. „Für unsere Sportler ist es kein Thema mehr, in den Nationalfarben Deutschlands einzulaufen. Denn sie sind mit Deutschland tief verwurzelt.“
Er beendete seinen halbstündigen Beitrag mit dem Moment, auf den zuletzt viele gewartet hatten: „Lasst die Spiele beginnen. Es lebe Makkabi. Makkabi Chai.“

Im Herzen sind wir alle vereint…
Der Präsident des Zentralrats der Juden Josef Schuster schloss die Reihe der Redebeiträge mit dem Grundsatz: „Wir zünden ein Feuerwerk der jüdischen Kultur, ein Feuerwerk der Gefühle, ein Feuerwerk der Rekorde… Wir wetteifern in den sportlichen Disziplinen, doch im Herzen sind wir alle vereint.“

Hatikwa, Entzünden der Flamme und viel Musik
Mit dem Singen der Hatikwa erwachte das Publikum zu neuem Leben. Es folgte ein weiterer Höhepunkt, als das Makkabi-Feuer direkt aus Israel auf der Bühne einfuhr. Eine Gruppe aus 20 Motorradfahrern hatte die Flamme nach Berlin gebracht. Wie bei den Olympischen Spielen wird auch bei den Maccabi Games das Feuer nun während der gesamten Dauer brennen.
Mit Feuerwerk, Dana International, Halleluja und Nadav Guedj endete ein sehr genüsslicher und unterhaltsamer Abend in starker Gemeinschaft.

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