PM: Antisemitischer Vorfall in Hannover

Berlin, 29.11.2013

Das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA e.V.) hat mit großer Erschütterung Kenntnis von einem antisemitischen Eklat in Hannover erlangt.

Bei einer Podiumsdiskussion am 28.11.2013 im Haus der Religionen in Hannover zum Thema „Der lange Schatten von 1933“, an der unter anderem Ingrid Wettberg, die langjährige Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde, teilnahm, kam es zu einem antisemitischen Vorfall.

Im Rahmen der sich an die Diskussion anschließenden Fragerunde, meldete sich ein nach Veranstalterangaben bekannter Rechtsextremist zu Wort und versuchte, sich mittels der für Neonazis typischen „Wortergreifungsstrategie“ in die Diskussion einzubringen. In diesem Rahmen wurde Frau Wettberg massiv und in aggressiver Art und Weise beleidigt und u.a. als „lügende Jüdin“ diffamiert. Welche Lügen er ihr genau vorwarf und ob der Mann unter Verweis auf „370.000 deutsche Juden, die das Land ja hätten verlassen dürfen“, versuchte, den Holocaust zu relativieren, wird Gegenstand weiterer Ermittlungen sein. Gegen den Täter soll nach Angaben anwesender Journalisten zwischenzeitlich von Veranstaltungsteilnehmern Strafanzeige erstattet worden sein.
Der Täter beließ es aber nicht bei nur verbalen Attacken, sondern versuchte, direkt auf das Podium zu Frau Wettberg zu gelangen. Dem beherzten Eingreifen des Publikums, des hannoverschen Regionspräsidenten Hauke Jagau (SPD) und weiterer Podiumsteilnehmer, darunter auch der Präsident des Landespräsidiums für Polizei, Brand- und Katastrophenschutz Uwe Binias dürfte es zu verdanken sein, dass es letztlich nicht auch zu einem körperlichen Übergriff gekommen ist. Einem zwischenzeitlich erteilten Hausverbot versuchte die betreffende Person dadurch zu entgehen, dass sie sich auf den Boden warf. Nachdem der Mann zunächst erfolgreich des Saales verwiesen worden war, war er abermals in Begleitung von Polizeibeamten im Veranstaltungssaal erschienen, dann aber von den Anwesenden zurückgedrängt worden.
Dieser Vorfall stellt einen weiteren Höhepunkt antisemitischer Übergriffe dar, nachdem erst vor kurzem der jüdische Friedhof von Oldenburg geschändet wurde. Aber auch der Bundestrend im Hinblick auf antisemitisch motivierte Übergriffe ist erschreckend. Allein im letzten Quartal dieses Jahres kam es zu 190 antisemitischen Straftaten bundesweit.

Um dieser Entwicklung entgegenzutreten ist ein vehementes Handeln gefragt.

Vorbildlich sind in diesem Fall u.a. der Regionspräsident Hauke Jagau und Landespolizeipräsident Uwe Binias zu nennen, die halfen, den Täter körperlich auf Distanz zu Frau Wettberg zu halten. Aber nicht nur einzelne Personen sind gefragt, sondern auch die neue Bundesregierung muss sich dieser Situation stellen und verstärkt Strategien entwickeln, um diesen antisemitischen Tendenzen, welche in der Gesamtgesellschaft verankert sind, etwas entgegen zu stellen

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