Antisemitische Stereotype aus der Mitte der Gesellschaft

Antisemitische Stereotype aus der Mitte der Gesellschaft: Ein Beispiel in der SZ vom 2.7.2013

Antisemitische Stereotype sind nicht allein Problemerscheinungen der Randgruppen, sondern ebenso virulent in der Mitte der Gesellschaft. Der Expertenbericht der Bundesregierung von 2011 bestätigt dies. Häufig werden antijüdische Ressentiments dabei auf den Staat Israel projiziert. Der Expertenbericht sagt dazu:„Der antizionistische Antisemitismus tritt unter dem Deckmantel einer Ablehnung der Innen- und Außenpolitik des Staates Israel auf, der im Kern aus einer besonderen ideologischen Verzerrung und pauschalen Diffamierung des jüdischen Staates besteht, die sich zugleich traditioneller antisemitischer Stereotype bedient. Dabei lässt sich das eigentliche Motiv für die Aversion gegen Israel einzig in der Tatsache der Existenz eines jüdischen Staates ausmachen.“ In der Süddeutschen Zeitung vom 2.7.2013 im Feuilleton wird diese althergebrachten Verzerrung verwendet. Dort ist neben zwei Buchrezensionen, die sich mit Israel beschäftigen, eine Illustration abgebildet, auf der ein gehörntes, gieriges Monster mit Messer und Gabel in der Hand, im Bett liegend von einer Frau mit einem reichgedeckten Frühstückstablett bedient wird. Die rote Linie wird nicht durch die Zeichnung selber überschritten, sondern erst in Verbindung mit der Bildunterschrift: „Deutschland serviert. Seit Jahrzehnten wird Israel, teils umsonst, mit Waffen versorgt. Israels Feinde halten das Land für einen gefräßigen Moloch. Peter Beinart beklagt, dass es dazu gekommen ist.“ Dies lässt sich kaum anders verstehen, als dass Israel als Dämon nun von Deutschland gefüttert wird. Israel ist bildlich verzerrt und dämonisiert. Bedient wird das alte Weltverschwörungsbild des Juden, hier projiziert auf den jüdischen Staat, der letztlich faul die Welt regiert und andere für sich arbeiten lässt. Der Begriff Moloch ist entlarvend, wird er doch als alles verschlingende Macht oder kinderfressendes Monster in der Antike genutzt. „Karikaturen dieser Art gehörten zum visuellen Repertoire des ‚Stürmer’“, wie in „die Welt“ zu lesen ist[1]. Der Zeichner selber, Ernst Kahl, ist empört über die ungefragte Nutzung in diesem Zusammenhang, er hätte seine Zustimmung verweigert, wie er im Interview klarstellt.[2]

Die Süddeutsche Zeitung bedauert nun, dass Leser das Ensemble als antisemitisch interpretiert haben. In einer Stellungnahme der Redaktion wird eingeräumt, dass es besser gewesen wäre, ein anderes Bild zu wählen da es zu Missverständnissen geführt habe. Die Bildunterschrift ist nicht Gegenstand der Stellungnahme. Das AJC (American Jewish Committee hat nun eine Beschwerde mit Ausführungen zum antisemitischen Charakter der Zeichnung beim Deutschen Presserat, einer unabhängigen Organisation deutscher Medienverbände, eingereicht.[3]

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